Lernen von Deutschland
 

Lernen von Deutschland

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Kommentar von Jakob Steinschaden

In Österreich den Leuten unter die Nase reiben, dass die Deutschen etwas besser machen, ist ja nicht unbedingt populär, aber sei’s drum. Diese Woche hat die heimische Initiative AustrianStartups ein ziemlich ambitioniertes Visionspapier für die Politik präsentiert.

Das Ziel: Österreich in den nächsten fünf Jahren zu einer innovations­getriebenen Wirtschaft zu verhelfen, damit auch bei uns neue Technologie- und Internetfirmen sprießen können, so wie es im Silicon Valley, in London oder eben in Berlin schon längst passiert. In der Volksschule soll man dazu schon programmieren lernen, Investoren Steuererleichterungen bekommen und die Regierung einen eigenen Gründerbeauftragten bekommen, der sich um die Bedürfnisse der Start-ups kümmert. Vertreter der österreichischen Parteien, darunter Ministerin Doris Bures (SP), haben die 42 Seiten in die Hand gedrückt bekommen – jetzt wird es spannend, was aus dem Papier wird. Dass solche Ideen nicht irgendwelche Träumereien von Internet-Fuzzis sind, zeigt der Koalitionsvertrag der CDU, CSU und SPD. Darin ist ein ganzes Kapitel zur „digitalen Agenda für Deutschland“ zu finden, in dem man von Apps, Crowdfunding und Big Data liest und in dem das Ziel formuliert ist, Deutschland zu einer „echten digitalen Gesellschaft“ zu machen.

Man will Neugründungen pro Jahr von 10.000 auf 15.000 heben, Förderungen vereinfachen, Antragsverfahren entbürokratisieren. Analog zur Familienpflegezeit soll es eine „Gründungszeit“ geben, ein neues Venture-Capital-Gesetz soll kommen, um Deutschland attraktiver für ausländische Investoren zu machen, die Medienkompetenz junger Menschen soll gesteigert werden. Ich würde sagen: Jetzt ist Österreich am Zug.
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