Lebenszeichen in Albanien
 

Lebenszeichen in Albanien

Da soll noch einer sagen, in der österreichischen Privatrundfunkszene bewege sich nichts!

Da soll noch einer sagen, in der österreichischen Privatrundfunkszene bewege sich nichts! Okay, was die Entwicklung bei Reichweiten und Marktanteilen, ebenso beim Anteil an Werbeeinnahmen betrifft, gilt nach wie vor die Devise: „Mühsam nährt sich das Eichhörnchen.“ In den vergangenen Tagen mehrten sich allerdings die Anzeichen, dass private Radio- und Fernsehveranstalter in einem anderen, mindestens ebenso wichtigen, wenn nicht sogar ursächlich bedeutenderen, Sektor an Relevanz dazugewonnen haben, nämlich im journalistischen – Schrägstrich – inhaltlichen. Eine Indiziensammlung der subjektiven Art ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Indiz Nummer 1: Wie Sie unschwer unserer dieswöchigen Titelgeschichte entnehmen können, leistet sich das Wiener Privatradio 88.6 mit Hary Raithofer und Matthias Euler-Rolle zwei Moderatoren-Schwergewichte, wie es in Österreich kaum (Raithofer) beziehungsweise nicht viele (Euler-Rolle) gibt.




Bereits vor einigen Wochen vertraute uns Senderchef Oliver Böhm an, dass sein Jahresergebnis 2008 es ihm erlaube, in solchen Kategorien zu fischen. Unsere damalige Skepsis verflog mit einem Schlag, als er uns seinen Personal-Coup anvertraute. Es ist eine Premiere, dass sich ein Privatsender einen über Jahre hinweg dermaßen in der Öffentlichkeit stehenden Moderator wie Raithofer leisten kann, und es wird spannend sein, zu beobachten, wie sich das ORF-verwöhnte Moderatorengespann im Wiener Äther zurechtfindet. Indiz Nummer 2: Im edlen Ambiente des Palais Ferstel holte sich Puls 4-Programmchef Patrick Schubert vergangene Woche im Rahmen der Gala für die „Journalisten des Jahres“ den wohlverdienten Sonderpreis für Innovation von der Bühne ab (Seite 5). Die Begründung der Jury: „Schubert hat im österreichischen Wahlkampf praktisch ohne bedeutende wirtschaftliche Ressourcen sein Team zu innovativen Höchstleistungen geführt.“ Gewürdigt wurden nicht nur die „Puls 4-Wahlarena“, sondern auch die Spezialausgaben von „Talk of Town“ im Nationalratswahlkampf 2008. Indiz Nummer 3: ATV startet mit einigen eigenproduzierten Doku-Serien ins Jahr, die für Aufsehen, aber vor allem für Anerkennung in der Branche sorgen. Allen voran „Die Autobahnpolizei“, die sogar das Lob der gestrengen Standard-Fernsehkritiker findet. Sachlich, aber unterhaltsam und authentisch zeigt die Serie die Arbeit der Polizisten – übrigens zweifellos ein Beitrag mit „Public Value.“




Apropos: Die Drehgenehmigung erfolgte vom Polizeikommando Salzburg. Vor dem letzten Drehtag kam ein vom Innenministerium verhängter Drehstopp, laut Aussage des Serien-Chefinspektors Werner Baier auf Intervention „eines Fernsehsenders“. Dem Verdacht, der ORF wollte hier ein innovatives TV-Projekt eines Mitbewerbers behindern, schließe ich mich ausdrücklich nicht an. Das wäre doch wirklich zu peinlich!




Indiz Nummer 4 – noch einmal ATV: Dominic Heinzels „Backstage“-Spinn-off seines täglichen Societymagazins bringt zwar weniger vordergründigen Public Value, ist dafür dermaßen entlarvend, dass es schon wieder das Prädikat „gesellschaftlich besonders wertvoll“ verdient. Einmal im Monat zeigt es den Society-Frechdachs bei seiner Arbeit – zuletzt beim Hahnenkamm-Wochenende in Kitzbühel. Gefilmt von einem eigenen Kamerateam bringt „High Society Backstage“ Um- und Zustände dieses Genres zutage, dass einem Hören und Sehen vergeht. Es scheint also, dass sich der private Rundfunk zunehmend nicht nur über flehentliche medienpolitische Forderungspapiere, sondern auch über zugkräftige Persönlichkeiten und innovative Inhalte definiert. Und das ist gut so, denn es vergrößert das Entwicklungspotenzial für kreative Programmgestalter, Moderatoren und Journalisten – und es stärkt den Medienstandort Österreich insgesamt. Also bitte weiter so …
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