,Lebendig begraben‘
 

,Lebendig begraben‘

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Kommentar von Harald Klöckl

Im zarten Alter von etwas mehr als 16 Jahren ist die SportWoche vor wenigen Tagen entschlafen (worden), eher unsanft und durchaus überraschend für die Hinterbliebenen, also Mitarbeiter und Stakeholder. Zwar war es kein ­Geheimnis, dass das Produkt in puncto Auflage und Reichweite schon deutlich gesünder war, und es heißt, dass das Alter der Leserschaft sich zunehmend dem geringen Lebensalter des Produktes angeglichen hatte. Aber im Sinne einer Content Company stand die SportWoche bis zuletzt in voller Blüte: Viele der Geschichten des stets bestens informierten und auch erfahrenen Teams zu Fußball, Formel 1 oder Skisport würden von anderen Medien übernommen und bisweilen auch zitiert, und auch bei der ­Berichterstattung über sogenannte Randsportarten hat man sich oft Meriten erworben. Für die Objekte der ­Berichterstattung, also die Sportlerinnen und Sportler war es stets eine Art Adelsprädikat, in der SportWoche vorzukommen. Und als Kompetenzzentrum in Sachen Sport konnte den SportWoche-Machern kaum wer im Land das Wasser reichen.

Natürlich hatte sich die Medienwelt noch völlig anders gedreht, als die SportWoche im Februar 1999 von den Sportmagazin-Machern rund um Herbert Pinzolits aus der Taufe gehoben worden war. In diesem Sinn scheint das Konzept einer Wochenzeitung, auch wenn sie kaum schneller sein könnte, als es die „SpoWo“ war, antiquiert. Als bloßer Printtitel hat sich die SportWoche wohl nicht gerechnet, die Redaktion hingegen allemal.

Andererseits, so deuten es auch die SportWoche-Macher in ihrer Abschiedsausgabe an, stehen dem Sport im Land und damit der medialen Aufmerksamkeit und Vermarktbarkeit möglicherweise mittelfristig goldene Zeiten bevor wie schon lange nicht ­Allein, was Fußball betrifft: Das Nationalteam ist drauf und dran, sich für die Euro 2016 zu qualifizieren. Erstmals in der Geschichte. So gesehen wurde mit der SportWoche eine Marke im jungen Alter vergleichsweise lebendig begraben, noch bevor sie erwachsen wurde und dank ihrer exzellenten Ausbildung zum Familien-einkommen beitragen konnte.
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