Le Web London: „Social Media ist wie eine lee...
 

Le Web London: „Social Media ist wie eine leere Bühne.“

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Die Crème de la Crème der Webszene traf sich gestern und heute in London.

Das Diamond Jubilee von Queen Elisabeth und die Olympischen Spiele sind die großen Highlights des Jahres 2012 in London. Die Szene der Tech-Startups und Social Media Geeks bekommt ihren ganz eigenen Höhepunkt: Le Web, die etablierte französische Konferenz, gastiert erstmals in der britischen Hauptstadt. Mit im Gepäck: Nichts weniger als der Anspruch, Menschen auf die Bühne zu bringen, welche die Zukunft des Internets maßgeblich mit gestalten.

Unter dem Motto "Faster than real time" mischen sich Big Players wie Google, Microsoft und Facebook mit Plattformen, von denen der durchschnittliche User noch nie gehört hat: Badoo, ein ehemaliges Dating Service, das jetzt gerne eine "Social Discovery App" wäre (vergleichbar mit dem "Entdecken"-Button bei foursquare). Path, Evernote, Readmill, Foodspotting ... alles, was am App-Markt gerade heiß ist, ist auf der Le Web vertreten.

Apropos Facebook: Das größte Social Network hat wenige Wochen vor dem Start der Olympischen Spiele die Partnerschaft mit dem IOC angekündigt. Unter facebook.com/olympics finden die ersten "Social Games" statt: Auf der Seite sollen Athleten hautnah von "ihren" Spielen berichten. "We are the place where passion gets spread." sagt Christian Hernandez Gallardo, zuständig für die Plattform-Partnerschaften bei Facebook. Spannend wird das Social Media Engagement der Olympischen Spiele im Rahmen des strengen Regelwerks alle Mal. Wir erinnern uns: Die Olympia-Verantwortlichen verbieten durch eine Vereinbarung mit Twitter die Verwendung des offiziellen Hashtags #London2012 für Werbung von Nicht-Sponsoren.

Bradley Horowitz, führender Produktmanager bei Google, hält sich bei kritischen Fragen bedeckt – Frage: „Zahl der aktiven User?“ Antwort: „Das Wachstum hält an.“ – stellt aber die Zusammenarbeit mit Flipboard vor. Big News für Techies: Flipboard wird damit die erste Anwendung, die auf die API von Google+ zugreifen darf. Die User dürfen sich auf eine optisch ansprechende Aufbereitung ihres Social Networks und der Beiträge ihrer Freunde freuen.

Gleichzeitig findet am ersten Tag die Startup Competition statt: 16 junge Entrepreneurs launchen auf der Le Web ihr Unternehmen und pitchen um Fördergelder. Auf die große Bühne schaffen es die besten drei: BlippAR macht mit Hilfe von Augmented Reality Anwendungen aus einfachen Postern oder Produktverpackungen wahre Wow-Erlebnisse. Hojoki dient als Hub für 20 Productivity Apps, und sorgt so für ein reibungsloses Zusammenarbeiten in kleinen und großen Teams. Teleportd stellt die aktuellsten Fotos der Smartphone-Generation zur Verfügung – inklusive geklärter Rechte und schneller als die etablierten Agenturen.

Am Mittwoch steht Track 2 unter dem Titel „Social Business“. Socialbakers.com stellt die nächste Stufe zur Social Brand vor: „Socially devoted“ sollen Unternehmen sein, also Ressourcen für einen Wandlungsprozess bereitstellen. Den Beweis für die Sinnhaftigkeit dieser These erbringt Michael Chrisment von Kraft Food Europe, als er die Organisationsstruktur bei Kraft präsentiert: Nicht eine zentrale Social Media Abteilung ist für die Auftritte verantwortlich, sondern ein bis zu 10-köpfiges Team pro Marke. 

Am spannendsten sind aber immer die Vorträge, deren Themen sich mit den persönlichen Vorlieben decken. In meinem Fall ist das ganz klar eine der ersten Sessions mit meinem liebsten Fernsehkoch. Jamie Oliver ist eigentlich als Sidekick von Kevin Systrom geladen, stiehlt dem CEO von Instagram aber schnell die Show. Und das, obwohl die Fotoapp kürzlich mit dem Verkauf an Facebook Geschichte schrieb: Eine Milliarde Dollar hat Facebook für das Kleinunternehmen auf den Tisch gelegt. Jamie Oliver ist begeisterter Nutzer der App und hat mehr als 45.000 Follower, zudem ist sein Instagram-Profil mit seinem 2,3 Millionen Follower starken Twitter-Account verknüpft.

Befüllt wird der Account von Jamie Oliver persönlich, manchmal auch mit weniger Erfolg: „Manche Fotos werden so stark kritisiert, dass ich sie nach wenigen Minuten wieder löschen muss.“ sagt Jamie und beweist damit auch, dass er das Feedback der Community durchaus ernst nimmt. Jamie Oliver begann schon früh damit, das Internet für seine Zwecke zu nutzen – trotz der Nachteile: „Die Visagistin backstage kennt mich und ist ein Fan, obwohl sie noch nie ein Buch von mir gekauft hat. Alle Rezepte hat sie kostenlos aus dem Internet. Einerseits ist das natürlich schlecht für mich, weil ich damit mein Geld mache – aber im Internet geht es auch darum, großzügig zu sein.“ Ein 14-köpfiges Team ist zuständig für den Online-Auftritt, Social Media ist aber Chefsache. Diese Priorisierung sieht er auch als Schlüssel zum Erfolg: „Social Media ist wie eine leere Bühne. Da steht ein Schlagzeug und ein paar Gitarren – und Unternehmen brauchen leidenschaftliche Partner, um die Bühne zu bespielen.“

 

Vielen Dank für diese Eindrücke der Le Web London an Alexandra Mühlbacher. Alexandra ist Account Manager & Social Media Editor bei ambuzzador bei Tag und Musikliebhaberin in der Nacht. Wer sie nicht im Büro oder auf Konzerten erwischt, erreicht sie auf Twitter unter @alexmuehlbacher.

Übrigens: Die Vorträge und Sessions der Le Web gibt es in den kommenden Tagen auf  http://www.youtube.com/leweb.

 

[Michael Weberberger]

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