Lauter Kreuzungen und kein Wegweiser …
 

Lauter Kreuzungen und kein Wegweiser …

Betrachtet man die Medienbranche mit den Augen eines Investors, dann fallen drei Kreuzungen auf:

Betrachtet man die Medienbranche mit den Augen eines Investors, dann fallen drei Kreuzungen auf: (I) Noch immer sinkende Werbe-Einahmen schädigen jene Massenmedien (besonders Print), die über keine anderen Einnahme-Standbeine verfügen. (II) Das Net ist die Nummer eins, was alle Nicht-Online-Medien zwingt, sich nach dem Web auszurichten (anstatt es bloß „mitzunehmen“). (III) Die Rezession veranlasst Konsolidierungen quer durch alle Mediengattungen.

Beispiele: In den USA fusionieren Kabelriese Comcast (24 Millionen Abonnenten, ein Viertel der US-Haushalte) und NBC Universal ihr Mediengeschäft (sofern die Aufsichtsbehörden kein Veto einlegen). „Diese Kombination“, strahlt ­David Cohen, Vizepräsident von Comcast, „erlaubt uns, die Ankunft der Multiplattform-Zukunft ‚jederzeit, überall‘ zu beschleunigen.“

Was die Fernsehbetreiber zwickt, ist der Umstand, dass heute Telecoms via Standleitungen und Mobiltelefon fleißig Fernseh-Inhalte verkaufen und Reichweiten anknabbern. Ferner legen Online-Videodienste stark zu. Das hat den im Besitz von RTL befindlichen britischen Sender Five veranlasst, als zweiter im Bunde mit Channel 4 das gesamte Programm (minus US-Importware) via YouTube zugänglich zu machen. Chefin Dawn Airey verkündete frohgemut: „Das ist ein unglaublich wichtiger Deal für Five, da wir auf einen Schlag unsere Content-Reichweite ausdehnen und ein neues Publikum von jungen, Web-gewandten Leuten erreichen können – ein Publikum, auf das Werbetreibende gleichermaßen scharf sind.“

Fernsehen setzt also weiter auf das Gratis-Geschäftsmodell und Finanzierung durch die Werbung. Derweilen wird YouTube-Besitzer Google von Printmedienbesitzern lauthals kritisiert, dass die Suchmaschine auch Links zu bezahlpflichtigem Material herstellt. Nun gab Google bekannt, dass Inhalte, die an sich nur Abonnenten zugänglich wären, künftig auf fünf Gratisartikel pro Tag ­beschränkt sind – dann werden suchende Leser zu einer Registrier- beziehungsweise Bezahl-Site weitergeleitet. Google begründet die Änderung damit, dass Tageszeitungen zunehmend daran denken würden, Teile ihrer Inhalte gebührenpflichtig zu machen. In der Tat hat das britische Verlagshaus Johnston Press, das über 300 Lokalzeitungen besitzt, dieser Tage bei drei Blättern sogenannte „Paywalls“ eingerichtet. Das ist das erste Mal, dass ein Regionalverleger versucht, für Nachrichten Geld zu verlangen. Zurzeit kostet ein Online-Abo fünf Pfund (knapp sechs Euro) für drei Monate. Drei weitere Titel veröffentlichen online bloß Meldungen in Kurzfassungen und verweisen auf das gedruckte Blatt. Johnston Press hat in den letzten zwei Jahren sowohl Leser als auch 40 Prozent des Werbe-Einkommens verloren.

Das Experiment wird von der Konkurrenz scharf beobachtet, umso mehr, als News-Corp-Chef Rupert Murdoch angekündigt hat, Bezahl­modelle für sämtliche Online-Titel einzuführen. Es war übrigens auch Murdoch, der Google öffentlich des Diebstahls bezichtigt hatte. 2010 wird das Jahr der „Medienkreuzungen“ …
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