"Kurier" ohne Maurer: Ein Grund weniger
 

"Kurier" ohne Maurer: Ein Grund weniger

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Glosse von Clemens Coudenhove.

Welche heimische Tageszeitung räumt dem Thema Medien den meisten Platzein? Nun, wahrscheinlich "Der Standard". Nicht nur mit seinem umfassenden Online-Portal und einem erfahrenen Kernteam rund um Harald Fidler, sondern auch dank „Blattsalat“-Autor Günter Traxler, der höchst amüsant kuriose Printblüten analysiert und oft treffend bloßstellt. Auch "Die Presse" ist immer wieder bemüht, das wichtige Wirtschafts- und Kultursegment Medien zu beleuchten, nicht in dieser Intensität, aber immerhin. Und der "Kurier", der uns großflächig mit dem TV-erprobten Konterfei des neuen ambitionierten Chefredakteurs „Journalismus pur“ verspricht? Subjektiv gesehen kaum.

Ich gebe schon zu, mir den "Kurier", mit dem ich aufgewachsen bin und der schon deshalb bei mir einen sentimentalen Bonus genießt, außer am Wochenende eben nicht mehr regelmäßig zu Gemüte zu führen. Aber gerade am Sonntag eröffnete Thomas Maurers Kolumne namens „Medienmanege“im Kultur/TV-Buch einen erfrischenden und kritischen Blick auf Skurrilitäten einer Branche, die sich seit ach so vielen Jahren im Umbruch befindet. Auf die Texte des preisgekrönten Kabarettisten, Schauspielers und Drehbuchautors verzichtet der "Kurier" also jetzt.

„Letzte Worte“ titelte Thomas Maurer seinen lesenswerten Lebwohl-Text, in dem er mit pointiertem Sarkasmus auf das Jahr 1995 zurückblickt (damals erschien „Medienmanege“ zum ersten Mal). Bei der Mutter der deutschsprachigen Magazine, dem "Spiegel", beginne ich stets mit der letzten Seite (Hohlspiegel), ähnlich beim "profil" (Nikowitz), "Der Standard" weimperlt sich – zumindest bei mir nicht selten mit dem „Einser-Kasterl“ ein.

Beim Sonntags-"Kurier" bin ich derzeit noch eher ratlos, mit welchem Text ich mir fortan mein Frühstück zu versüßen beginne. Maurers „Kündigung“ mit der aufwendigen „Journalismus pur“-Kampagne in Relation zu setzen, wäre vielleicht etwas polemisch – „ein paar Plakate weniger, und Maurers Honorare wären wieder herinnen“.

Hat die "Kurier"-Redaktion vielleicht ein ähnlich talentiertes Talent an der Angel? Oder realisiert sie nicht, wieviel die „Medienmanege“ aus Lesersicht wert war? Bleibt zu hoffen, dass Maurers Kolumne bald woanders zu lesen sein wird.
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