Kein Morgen mit "Heute"?
 

Kein Morgen mit "Heute"?

Kommentar von Rainer Seebacher

Heute ist dieser Tage sieben Jahre alt geworden. Und wie es bei Medien, die Jubiläen begehen, üblich ist, bedanken sich die Macher mit einer besonderen Ausgabe bei Lesern und Anzeigenkunden für deren Treue. Als Coverbild hat das Team rund um Eva Dichand eine Illustration gewählt, die den Wiener Alltag in einem öffentlichen Verkehrsmittel zeigt: Die Fahrgäste lesen Gratiszeitungen. Allein, dass auf dem Bild keine einzige Ausgabe von Österreich zu sehen ist, entspricht dann doch nicht ganz der Realität. Dennoch ist der Konkurrent auf dem Bild vertreten: In der zweiten Reihe sitzt Wolfgang Fellner und hält sich eine Ausgabe von Heute halb vors Gesicht. Sehr lustig. Auch ganz lustig ist noch, dass die Heute-Ausgabe, die Fellner in Händen hält, den österreichischen Bundesadler am Cover hat. Wenn der WoFe schon kein Österreich lesen darf, dann darf er wenigstens über Österreich lesen.

Weiters zum Lachen – na übertreiben wir es nicht– zum Lächeln ist, dass der Fahrgast, dem WoFe gegenübersitzt, den Wiener Bürgermeister darstellen soll. Michael Häupl hält zwar auch ein Heute in Händen – aber er liest nicht, sondern lächelt in die Runde. Offensichtlich freut sich der Politiker, dass die Fahrgäste die bezahlten Advertorials der Stadt Wien offensichtlich aufmerksam lesen und auch ernst nehmen. Danke, liebes Heute, für dieses lustige, wenn auch nicht ganz der Realität entsprechende Cover. Es ist eine sehr willkommene Abwechslung zu den Titelgeschichten, die einem täglich erklären, wie die Welt heute untergeht. Eure Blattlinie lautet offensichtlich: Wenn man Heute ernst nimmt, dann dürfte es eigentlich kein Morgen mehr geben. Oder verwechsle ich das jetzt mit den Furcht einflößenden Coverstorys, mit denen Wolfgang Fellner tagtäglich die Fahrgäste der Öffis beglückt?
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