Jobs für Print
 

Jobs für Print

Kommentar von Rainer Seebacher

Versuche, Geld für journalistische Online-Inhalte zu verlangen, gibt es schon, seit das World Wide Web zu laufen begann. Gerade jetzt unternehmen die Verleger wieder einen neuen Anlauf, Paid Content doch endlich zum Durchbruchzu verhelfen. Vieles wurde schon versucht – sogar Modelle, die schon fast an schüchterne Bettelei erinnern, waren unter den zahllosen Versuchsballons zufinden. Es ist den Verlegern bei dem gegenwärtigen Bezahl-doch-endlichfür-Online-Inhalte-lieber-Leser gutes Gelingen zu wünschen. Allein, eineaktuelle Studie des Internet Advertising Bureau in Wien (Seite 2 dieser Ausgabe) setzt den Erwartungen einen neuen Dämpfer auf: Die Österreicher sind eher nicht bereit, für Online-Inhalte zu zahlen.

Richtig erfolgreich waren die Verleger hingegen dabei, dem Leser wertvolle Inhalte, die gedruckt etwas kosten, online auf möglichst vielen Wegen zuschenken. Der Leser dankt es mit seiner Aufmerksamkeit, die die Verleger in Online-Werbegeld ummünzten. Zu wenig allerdings, um damit ein wirklich tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln.

Wäre es nicht an der Zeit, hier einmal radikal umzudenken? Sich die Frage zu stellen: Interessiert den Leser das überhaupt, was ich ihm da online serviere?Freilich – Online ist so gut messbar wie kein anderes Medium und hat schonbeachtliche Reichweiten. Im Print allerdings war und ist auch immer ein wichtiger Leistungswert, wie viele Exemplare verkauft wurden. Da schaut Online nun wirklich alt aus.

Allein den Leser zu fragen, „für welche Inhalte willst du online etwas zahlen?“, greift völlig zu kurz. Vielmehr sollten die Verleger ihre Leser so gut kennen(lernen), um zu erahnen, was diese wünschen, ohnedass sie es möglicherweise selbst wissen. So wie das Steve Jobs mit dem iPhone auch gemacht hat. 

[Rainer Seebacher]
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