Jetzt wird‘s persönlich
 

Jetzt wird‘s persönlich

Search Plus Your World verschmilzt Google Suche mit Google+

Es war absehbar, dass es so kommen musste. Aber jetzt ist es offiziell so weit. Spannende Zeiten für Suchmaschinenoptimierer, denn die Suche in Google ist nicht länger für alle gleich. Ja, ja ich weiß schon, sie war auch bisher optimiert, auf das Herkunftsland der Anfrage, mein Endgerät und ähnliche, sagen wir mal technisch auslesbare Fakten. Aber mit Google+ eröffnet sich dem Suchmaschinengiganten natürlich eine ganz neue Welt. Nämlich die des tatsächlichen Wissens über die Person selbst, aber vor allem auch über ihren Freundeskreis, den Social Graph. Und dieser fließt jetzt in die Suche mit ein - unter dem klingenden Namen: Search Plus Your World. 

Heißt im Klartext: Google durchsucht für mich persönlich nicht nur das Web an sich, sondern auch all jenen Content, der jemals mit mir geteilt wurde. Ein interessanter Ansatz. Immerhin verlassen wir uns im täglichen Leben ja auch lieber auf die Meinung von Freunden, als auf die Aussagen Dritter. Einfache Beispiele führt Google in seinem Blogpost zu der Neuerung an. Wie etwa Reisetipps: Ich suche nach einer Urlaubsdestination und erhalte nicht nur Ergebnisse von Reiseanbietern und Reisecontent aus dem Web, sondern eben auch die Bilder und Videos meiner Freunde zur gesuchten Destination. Vielleicht Content aus einem Blogartikel, den ein Bekannter zu seinem Urlaubserlebnis eben dort geschrieben hat und ähnliche Inhalte aus Google+-Postings. Basierend ist der Algorithmus auf den Links und Contentbestandteilen, die über Google+ geteilt werden. Und zwar jeweils mit mir persönlich. 

Spannend werden in den kommenden Monaten vor allem zwei Fronten: 

Zum einen wird sich rasch zeigen, welchen Einfluss diese Maßnahme als eine der größten in der jüngeren Geschichte von Google auf die SEO-Szene hat. Wenn Suchergebnisse noch persönlicher werden, wird sowohl das eigentliche SEO, insbesondere aber auch das Messen der Maßnahmen und das Auswerten der Effekte deutlich schwieriger. Ein Nebeneffekt, der Google wahrscheinlich gar nicht so schlecht gefällt. Jedenfalls steht fest, dass aktive Interaktion von Marken auf Google+ unabdinglich wird. Es ist anzunehmen, dass diese Interaktionen ebenso in die persönliche Suche einfließen,vor allem dann, wenn sie intensiv stattfindet. Sobald das der Fall ist, werden jene Marken und Unternehmen die Nase vorne haben, die diese Interaktion bereits leben. 

Zum anderen wird die Reaktion der anderen Social Networks interessant. Twitter hat sich bereits wenige Stunden nach der offiziellen Bekanntgabe durch Google zu Wort gemeldet und kräftig in Richtung Paolo Alto geschossen. 

AllThingsD zitiert Twitter General Counsel Alex Macgillivray: 

"For years, people have relied on Google to deliver the most relevant results anytime they wanted to find something on the internet. Often, they want to know more about world events and breaking news. Twitter has emerged as a vital source of this real-time information, with more than 100 million users sending 250 million tweets every day on virtually every topic. As we've seen time and time again, news breaks first on twitter; as a result, Twitter accounts and tweets are often the most relevant results. We're concerned that as a result of Google's changes, finding this information will be much harder for everyone. We think that's bad for people, publishers, news organizations and Twitter users."

Der Angriff gilt also der ausschließlichen Konzentration der Suche durch Google im eigenen Social Network. Weder die Echtzeitergebnisse von Twitter, noch die öffentlich zugänglichen Informationen aus Facebook fließen derzeit in die neue Suchfunktionalität ein. Es wäre daher verwunderlich, würde nicht auch Facebook in den kommenden Tagen ins selbe Horn stoßen.

Was haltet ihr von den Neuerungen? Wie persönlich darf's denn sein?
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