Ist Product Placement ungesund erfolgreich?
 

Ist Product Placement ungesund erfolgreich?

Kommentar von Walter Braun

Die in Medienfragen an sich recht liberalen Briten erlauben erst seit dieser Woche Product Placement. Die Freigabe kommt mit strengen Auflagen: In Programmen für Kinder unter 14 Jahren dürfen keine Markenprodukte vorsätzlich platziert werden, ferner sind Nachrichtenprogramme, religiöse Sendungen und Verbrauchersendungen ausgenommen. Im Übrigen muss ein eigenes Logo (ein „P“ drei Sekunden zu Beginn und am Ende des Programms) ankündigen, dass hier Schleichwerbung stattfindet.

Sorge bereitet den Aufpassern, dass sich Fast-Food-Produkte einschleichen könnten, weshalb fett-, salz- und zuckerhaltige Nahrungsmittel in Familiensendungen unerwünscht sind. Angesichts der zunehmenden Verfettung der Bevölkerung haben eine Reihe von Gesundheitsgruppen Bedenken angemeldet. Eine Studie der Yale University kam kürzlich zu dem Schluss, dass in beliebten US-Sendungen hauptsächlich Esswaren platziert werden, die viel Kalorien beinhalten, aber wenig für die Ernährung tun – mit „schädlichen Folgen“ für Adipositas bei Kindern, meinten die Forscher.

Interessanterweise hat die Freigabe in deutschen Landen seit April 2010 nur zu zögernder Nachfrage seitens der Auftraggeber geführt. Die zur ProSiebenSat.1-Gruppe gehörende SevenOne AdFactory hat bloß 20 Projekte in acht Monaten realisiert. Eine zu Jahresbeginn in eigener Sache publizierte Erhebung jubilierte, dass in Kochsendungen angepriesene Produkte von den Sehern positiv aufgenommen worden waren. Das Fazit: Sind ausgelobte Waren „intelligent und logisch eingebunden“, dann wirken sie „nicht plump und aufdringlich … Produktplatzierungen werden nicht als Werbung empfunden“.

Exakt hier setzt das Unbehagen ein. Kritiker monieren, dass ein Einschmuggeln von Produkten in Filme und TV-Sendungen als Manipulation einzustufen sei und niemand argumentieren könne, dass es hier um eine rationale Auslobung von Produktvorteilen gehe. Eine wissenschaftliche Studie der Erasmus-Universität in Rotterdam hat in der Tat herausgefunden, dass von Stars beiläufig verwendete Produkte eine starke und heimtückische Wirkung haben. Bei MRI-Gehirn-Scans zeigte sich, dass das zustimmende Verhalten einer TV-Persönlichkeit zu einer erhöhten Aktivität im Nucleus caudatus führt – das ist eine Region, die das Lernen und die Vertrauensbildung fördert. Die Studie fand auch heraus, dass die Verbindung zum langfristigen Gedächtnis aktiviert wurde.

Wer das wenig überzeugend findet, dem sei eine aktuelle Erhebung von Brandchannel empfohlen: In den vergangenen zehn Jahren tauchten in den 334 erfolgreichsten US-Filmen 112 Mal Produkte von Apple auf. Ist es ein Zufall, dass in diesem Jahrzehnt Apple zum erfolgreichsten Konzern der Welt (hinsichtlich Börsenbewertung) aufgestiegen ist? Unter den häufigsten Platzierungen tauchte hinter Ford, Coca-Cola und Nike übrigens auch eine österreichische Marke auf: die Glock aus Deutsch-Wagram, beliebteste Pistole der amerikanischen Polizei, sowohl in der Realität als auch im Film …

Walter Braun
stats