Ist das wirklich noch privat?
 

Ist das wirklich noch privat?

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Kommentar von Jakob Steinschaden

Bei der Europameisterschaft in Frankreich können das erste Mal Millionen Besucher einer Großveranstaltung via Smartphone, Facebook und Twitter einen Livestream vom Ort des Geschehens an ihre Freunde und Follower senden. Mit Betonung auf: können. Denn folgt man den Regeln der UEFA ganz genau, dann ist eine solche Liveübertragung nur dann rechtlich in Ordnung, wenn sie ausschließlich zu privaten Zwecken stattfindet. Irgendwie logisch: Wieso sollten TV-Sender Millionen für die Übertragungsrechte blechen, wenn dann die Zuseher im Stadion ähnlichen Content einfach gratis ins Social Web schicken können?

Die Kernfrage: Wo hört privat auf und wo fängt öffentlich an (20 Leute? 50 Leute?), das kann einem heute keiner so genau sagen. Das müssen dann eben die Richter von Fall zu Fall entscheiden, sollte es tatsächlich zu Klagen kommen. Doch damit es auch Normalverbraucher verstehen und nicht in eine teure Urheberrechtsfalle tappen, muss es endlich eine europaweite Regel geben, die halbwegs verständlich festlegt, was privat ist und was öffentlich. Oder noch besser: Bereits an Schulen muss endlich unterrichtet werden, was Privatsphäre bedeutet und was Öffentlichkeit ist. In Zeiten des allgegenwärtigen Smartphones ist das unabdinglich.
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