In der Geiselhaft der Adblocker
 

In der Geiselhaft der Adblocker

Kommentar von Herwig Stindl

Münchner Medientage: Während sich die Verlagsvertreter noch wundern, ob sie sich über die Gesprächs- und Angebotsbereitschaft von Facebook („Instant Articles“) und Google (Digital News Initiative) nach Jahren des aneinander Vorbeiredens eher freuen oder doch fürchten sollen, sind die TV-Menschen auf den nach Netflix nun Amazon-Fire-Zug voll aufgesprungen: Free-TV wird über kurz oder lang nur das Eingangstor in Pay-Kanäle für zu auf die Publikumsgeschmäcker abgestimmte Serienproduzenten sein. Ein Nebengeräusch, das die Digitalwirtschaft schnell planieren will, ist adblocking: Oliver von Wersch, Gruner + Jahr Digital Products, Vorsitzender im Online Vermarkterkreis OVK im Bundesverband Digitale Wirtschaft BVDW, droht am Podium mehrmals Entrepreneur Tim Schumacher, ­Financier des „Gottseibeiuns“-Adblock-Plus (Claim: „Für ein Web ohne nervige Werbung“), ihn vor Gericht zu bringen.

„Sie sind der Türsteher vor ­einem Club, der ihnen nicht gehört“, sekundiert Steve Plesker, Strategy Director bei Scholz & Friends. Von Wersch kündigt auch an, ein bisschen Aufklärung und Information fürs Publikum machen zu wollen. Wie wäre es einfach mit Stoppschildern? Adgeblockter-Traffic ist sowieso sinnlos für den Publisher da eben qua Werbung nicht monetarisierbar. Sonst werdet ihr die Opfer sein von Türstehern, die Euren Club in Geiselhaft nehmen.

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