‚Happy News‘ von ‚Österreich‘
 

‚Happy News‘ von ‚Österreich‘

Kommentar von Martin Unger

Erst kürzlich, auf der Suche nach kuriosen und/ oder Laune machenden Mediengeschichten bekam ich einen externen Tipp: „Schlag doch einfach Österreich auf, da findet sich immer was.“ Gesagt, getan, und so stolperte ich über deren Sonntagsausgabe. Raten Sie mal: Ich wurde fündig.

Dort offenbarte sich ein Doppelaufschlag einzig und alleine mit „Happy-News“ gefüllt – den fröhlichen Nachrichten dieser Tage gewidmet. In „Österreicher-Manier“ wurde die Seite knallhart begründet: „Früher machten bei Olympia Kriege Pause.“ Und so sah Österreich die Zeit gekommen, das „Negative ein wenig in den Hintergrund zu drängen“. Im olympischen Gedanken. Mit Geschichten und Headlines wie: „Unser Planet wird wieder gesund“, oder gar ganz arg: „Jeder Zweite wird über 100 Jahre alt“ – inklusive Foto einer netten alten Dame. Im gleichen Atemzug mit dem Rechtfertigungs-Appell, das „Gute“ zu würdigen, fallen sie aber schon wieder, die Schlagwörter: Euro-Krise, Syrien-Massaker, Polit-Skandale gibt’s da zu lesen – obwohl mit dem Vermerk, dass die „Medien-Welt“ dazu tendiere, derartige Nachrichten zu propagieren.
Es besagt ja schon ein deutsches Sprichwort: „Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen“, und daher hat Österreich auch ganz bewusst beschlossen, „nicht die ganze Zeitung ‚positiv‘ zu gestalten, da das die Wirklichkeit verzerren würde“. Die mögliche Unterstellung, die Olympia-„Smiley-Sonntags“-Seite als förmliche Entschuldigung für den restlichen Heft-Inhalt der Tageszeitung zu betrachten, liegt hier ziemlich nahe.

Und dazu fällt mir nur eines ein: Vielleicht wären manche Nachrichten gar nicht so negativ, wenn sie nicht so negativ aufbereitet würden? Vielleicht liegt es aber auch einfach an der grundsätzlichen „Sprache“ der Publikation – das Reißerische, das Laute, das Aufdringliche. Denn selbst bei einer frohen Botschaft wie jener, dass Sie 100 Jahre alt werden, fühlt man sich förmlich angeschrien. Vielleicht also wäre es gut gewesen, in diesen Belangen auf Niki Fellner zu hören, der gegenüber dem Bestseller einst feststellte: „Österreich muss leiser werden.“ Vielleicht ist es dort aber auch einfach zu laut.
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