Good News aus München
 

Good News aus München

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Editorial von Dagmar Lang.

Mehr Mut und mehr Zuversicht – das strahlten die Topreferenten der Medientage München mit dem Generalthema „Wert(e) der Medien in der digitalen Welt“ mehrheitlich aus. Allen voran der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Matthias Döpfner, der die Digitalisierung mit der Erfindung der Sprache, der Schrift und des Buchdrucks verglich, wobei wir erst am Anfang einer bahnbrechenden Entwicklung stehen.

Döpfner sieht für die Medienunternehmen mehr Chancen als Risken und führte für diese These den ehemaligen Spielkartenerzeuger Nintendo (immerhin 120 Jahre alt) als leuchtendes Beispiel an. Wichtig sei, dass man jetzt ganz schnell von der Gratismentalität, die man 15 Jahre lang forciert hätte, wegkomme und das Konsumentenverhalten bei Apps mit simplen Bezahlmodellen nutze. Das müsse aber auch für die öffentlich rechtlichen Sender gelten, wobei Döpfner darauf verwies, dass in früheren Zeiten Konsumenten vom Fernsehen zugesandte Rezepte mit Briefmarken bezahlt hätten …

Die neuen Touchscreen-Endgeräte kämen traditionellen Lesegewohnheiten entgegen und ermöglichten einen bequemen „Lean-back-Medienkonsum“. Seinen Kniefall vor Apple, den Döpfner mit dem legendären Satz „Jeder Verleger sollte Gott danken, dass Steve Jobs das iPad erfunden hat“, in einer amerikanischen Talkshow gemacht hatte, relativierte er mit dem Hinweis, dass Monopole natürlich abzulehnen seien und er damit rechne, es werde auf dem Markt der Tablet-PCs genügend Anbieter und Systeme geben.

Aufhorchen ließ Wolfram Weimer, Chefredakteur von "Focus", beim Printgipfel mit seiner Forderung nach mehr Mut für Investitionen in journalistische Ressourcen. „Die Macht der Inhalte ist größer als die der Funktionalitäten“ ist ein Satz, den sich Printverleger dringend in ihre Stammbücher oder besser noch sichtbar auf die Pinwand schreiben sollten. Es scheint jedenfalls so, als hätten einige deutsche Verleger begriffen, dass man jetzt eine Doppelstrategie fahren muss, wenn man zu den langfristigen Gewinnern zählen will: einerseits die Chancen und Herausforderungen von Smartphones und Tablet-PCs ergreifen und wirtschaftlich sinnvoll nutzen, gleichzeitig aber das Kerngeschäft nicht vernachlässigen.

Jenen Menschen, die noch gerne Zeitung oder Magazin lesen, Produkte anbieten, die sorgfältig recherchiert und liebevoll geschrieben sind. Zeitschriften und Magazine eben, die davon leben, dass ihre Gestalter wissen, was für den Leser wichtig und wertvoll ist. „Wir dürfen nicht zu den Content-Abfüllern werden“, warnte Weimer und mahnte: Wenn die Zeitungsverlage sich nicht entschlössen, auf hochwertige Inhalte zu setzen, drohe der Branche eine Erosion.

Klare Ansagen, die in der Tat „Good News“ aus München sind. Ist ein Problem einmal erkannt, dann sollte die Lösung nicht mehr lange auf sich warten lassen. Der Zeitpunkt könnte besser nicht gewählt sein: 6.000 Medienmacher hörten diese gewaltigen Statements, und die Budgets für 2011 werden jetzt gemacht, Investitionen ins Web und in journalistische Ressourcen hoffentlich inklusive. Man wird sehen.

Dagmar Lang
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