Gesprächspartner nur für die eigene Inszenier...
 

Gesprächspartner nur für die eigene Inszenierung

Kommentar von Doris Raßhofer

Was denkt sich wohl ein Populärphilosoph wie ­Richard David Precht, wenn er den Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG, Mathias Döpfner,  in seine eigene ZDF-Sendung zum Gespräch lädt? Thema: gefährliche Freiheit.

Die journalistische Logik würde vorschlagen: Was möchte ich von einem bekennenden innovativen Schöngeist wie Döpfner wissen, zu welchem Thema würde mich seine Haltung interessieren, wo könnte es interessant werden, sich zu reiben? Der eitle Alleswisser Precht dürfte sich vermutlich eher im Vorfeld gefragt haben: Über welche Themen werde ich mit Döpfner reden, damit ich mich und mein Allgemeinwissen am besten ­platzieren kann? Denn wie sonst kann es sein, dass sich einer der größten Medienmanager Deutschlands mit Precht über die Systemfragen zwischen Kapitalismus und ­Islam unterhalten muss, ob es besser ist, Pornografie zu konsumieren oder Frauen zu steinigen, die Ehebruch begehen, über die Freiheitsliebe der Schweizer oder – wie Precht meinte – die Freiheit der Schweizer, die sich in ­ihrem Überregulativ so wohl fühlen, dass sie es für Freiheit halten, über die Rechtfertigung von System­angriffen mittels Waffengewalt, die Systemübergriffe durch den Islam und die Über­forderung von Politikern, bla, bla, bla … Frage an Herrn Precht: Schon mal auf die Idee gekommen, diesen Mann etwas über die Medien dieser Welt oder gar über Medien- und Pressefreiheit – wenn es schon um Freiheit gehen soll – zu fragen? Ganz kurz ein Lichtblick: Irgendwann ging es doch ­tatsächlich ums Internet, siehe da. Um die Freiheit oder eben doch um die Gefahr, diese wegen der Transparenz des Webs zu verlieren, wenn es in falsche Hände käme. Da kam Döpfner ganz kurz auf seine Rechnung – er ging auf China los, dessen Regime sich die Technologie des Internets als „große Überwachungsmaschine“ zunutze gemacht habe, „besser als das die Stasi oder Gestapo seinerzeit je geschafft hätten“. Und ja, selbst der freiheitsliebende Döpfner sprach sich für eine gewisse Kontrolle des Webs aus, weil er die „Technologie als zu anfällig für zentralistischen Missbrauch“ sieht, wenngleich es dennoch dezentral und „in seinem Grundsatz eine anarchische Erscheinung“ bleiben solle. Doch damit auch schon wieder genug. Precht ergriff wieder das Wort, das – wie wir alle wissen – so schnell nicht abbricht, wenn er es einmal hat. Das Ergebnis: Ein seelenloses, empathieloses Gequatsche, bei dem sich der eine versucht hat, zu profilieren, der andere aber überhaupt keine Chance bekam, sich überhaupt zu zeigen.

Aber ist nicht Letzteres im Grunde das Schönste, was man in einem jeden Gespräch erreichen kann?
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