"Gekaufte" Likes sind gar nichts wert
 

"Gekaufte" Likes sind gar nichts wert

Kommentar von Rainer Seebacher

Am 24. Jänner 2013 steigt der Immobilienball in der Wiener Hofburg. Wem die Ballkarte um 100 Euro zu teuer ist, der hat auch die Chance, mittels Social Media kostenlos Einlass gewährt zu bekommen. Ein Like auf die Facebook-Page des Immobilienballs und ein guter, ausformulierter Grund, warum man einen Eintritt gar so notwendig hat, reichen, um die Chance auf zwei Kostenlos-Karten zu wahren. Aus Sicht der Veranstalter ein gutes Geschäft: Ein Preis, der sie selbst kaum etwas kostet, gegen einen starken Zuwachs an Likes. Bis dato finden nämlich nur 341 Facebook-User den www.facebook.com/Immobilienball (Stand: 5. Dezember, 14.04 Uhr) super.

Eine Frage: Was machen die Fans, die auf die Gratiskarten aus waren, nach dem Ball. Nix, wahrscheinlich schauen sie nicht mal mehr kurz vor dem Ball im Jahr 2014 bei der Facebook-Präsenz vorbei. Warum auch? Sie waren an einem Geschenk interessiert und haben es nicht bekommen. Für die Veranstalter des Balls sind sie wertlos.

Weshalb solche Gewinnspiele sich aber nach wie vor großer Beliebtheit erfreuen, ist leicht erklärt. Da fragt der CEO den Social Media Manager, wie viel Fans er auf der Facebook-Seite der Firma versammeln konnte. Und der nennt eine Zahl, die dem Chef etwas niedrig erscheint, weil er eben die Reichweitenzahlen von anderen Medien im Kopf hat. Angesichts der Höhe des Gehalts, das der Betrieb allmonatlich aufs Konto seines Web-2.0-Experten überweisen lässt, ergibt das auf den ersten Blick ein schlechtes Investment. Also bekommt der Social Media Manager mal Druck von oben – und lässt sich dann ausgeklügelte Aktionen, wie ein ­Gewinnspiel, einfallen, um kurzfristig die Zahl der Likes in die Höhe zu treiben. Dann ist der Boss ­zufrieden. Genauso gut hätte der Web-2.0-Experte die Fans auch bei eBay ersteigern können. Dort kosten 500 „echte deutsche Fans“ schlappe 50 Euro. Gemischte Likes aus der ganzen Welt sind bereits um zwei Euro zu haben – in der 25-Stück-Packung.

Wer Gewinnspiele veranstaltet oder die Fans gleich en gros einkauft, hat das Wesen von Social Media nicht verstanden: Man kann als Marke oder Unternehmen heute nicht mehr nicht mitmachen – ein Investment ist also sowieso notwendig. Und: Social Media bedeutet ehrlichen Dialog auf Augenhöhe und nicht ein einmaliges Zuckerl vom Lastwagen werfen.
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