Fünffache Schlacht ums Wohnzimmer
 

Fünffache Schlacht ums Wohnzimmer

Die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom veröffentlichte diesen Sommer ihre Studie „Communications Market Report“.

Die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom veröffentlichte diesen Sommer ihre Studie „Communications Market Report“. Oberflächlich betrachtet scheint sich im Medienverhalten der Haushalte nicht viel zu verändern – immer noch beträgt die durchschnittliche tägliche Fernsehzeit drei Stunden und 45 Minuten. Allerdings gaben 36 Prozent der Befragten an, dass sie daneben gleichzeitig im Internet surfen. Radionutzung ist unter drei Stunden gefallen (minus neun Prozent in fünf Jahren). Zu registrieren ist ferner ein starkes Verlangen, von Sendezeiten unabhängig zu werden.

Ein sozialer Trend ist auffällig: Mehr Menschen verkriechen sich zu Hause und nehmen von dort aus Kontakt mit der Welt und den Freunden auf. Als die erwähnte Studie fragte, wo Verbraucher eher sparen würden, waren 46 Prozent bereit, lieber auf abendliches Ausgehen als auf ihren Kabelanschluss zu verzichten. Dieses Phänomen spiegelt sich im unaufhaltsamen Anstieg von Social Network Sites wie Facebook wider. Zum Vergleich: ITV, der älteste Privatsender, kommt immer noch auf 40 Millionen Seher zu je sechs Stunden pro Woche, während Facebook 15 Millionen Briten anzieht, die zumindest eine Stunde pro Woche dranhängen. Diese Durchschnittswerte verbergen allerdings eine tiefe Kluft zwischen der jüngeren Bevölkerung, die Dutzende Stunden im Web verbringt, und dem älteren Teil, der überdurchschnittlich dem Fernsehen ergeben ist.

Bei jungen, gebildeten Müttern wiederum hat Online-Blogging extrem eingeschlagen, während die weniger Gebildeten Stunden pro Tag am Handy (schwatzend oder textend) verbringen. Gleichzeitig dringen Spielkonsolen wie die Xbox von Microsoft in immer mehr Haushalte vor. Was als Teenager-Faszination mit digitalen Medien begonnen hat, wandert allmählich die Altersleiter hinauf: von der 25- bis 34-jährigen Altersgruppe nunmehr in die Kohorte der 35- bis 54-Jährigen.

Immer mehr Menschen sind also abhängig von digitalen Nabelschnüren. Um diesen Markt hat eine intensive Schlacht eingesetzt, die nicht länger bloß TV versus PC lautet. Zwei etablierte Konkurrenten haben schon tiefe Schneisen in die Heim­unterhaltung geschlagen: Apples iPhone ist zu einem der erfolgreichsten Unterhaltungsportale der Welt aufgestiegen, während bereits über 50 Millionen Haushalte eine Wii-Konsole von Nintendo besitzen. Auch Sony und Microsoft investieren Milliarden in den digitalen Spielemarkt, wobei einige Beobachter vermuten, dass die immer potenter werdenden Konsolen künftig als Mediensysteme agieren sollen, über die man Fernsehen auf Bedarf, Filme, Musik und so weiter abruft. Nun ist ein dritter Konkurrent aufgetaucht, der digitales Radio ins Zentrum zu stellen versucht. Der „Sensia“ der Firma Pure sieht aus wie ein großes Ei und ist mit einem Touchscreen ausgestattet, auf dem sich eine Reihe digitaler Funktionen vereinen. Man kann mit diesem Ding twittern und Nachrichten auf Facebook hinterlassen. Haushalte haben also künftig die Auswahl zwischen fünf zentralen Kommunikatonssystemen …

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