#fuckthepoor, #helpthepoor
 

#fuckthepoor, #helpthepoor

Glosse von Gerlinde Giesinger

„Fuck the poor“, zu Deutsch „Scheiß auf die Armen“, steht auf zwei großen Pla­katen, die ein Mann – am Bauch und am Rücken befestigt – durch die Straßen Londons trägt. Wandelnde Provokation in einer Metropole, für die Obdach­losigkeit, wie in so vielen Städten, kein Fremdwort ist. Die Reaktionen der Passanten kommen wie aus der Pistole geschossen, die Empörung ist groß. „Das ist widerlich“, meint eine von ihnen, „Ich war selbst zwei Jahre lang obdachlos, verpiss dich“, ein weiterer. Kurz darauf begibt sich der Mann erneut mit Plakaten auf die Straße, nun bedruckt mit den Worten „Help the poor“ – helft den Armen. Diesmal bleiben die Reaktionen der Passanten aus, schnelle Schritte, der Blick wird im Vorbeigehen gesenkt, der Einsatz für die Armen bleibt aus.

Im Umgang mit Armut bedeutet Anteilnahme nicht gleich Unterstützung, Worte nicht gleich Taten – dies zeigte die britische Hilfsorganisation The Pilion Trust Charity mit ihrer Aktion Anfang April auf. „Wir wissen, dass Sie sich kümmern. Bitte kümmern Sie sich genug, um zu spenden“, so die Aussage am Ende des Videos, das auf YouTube bereits über drei Millionen Mal auf­gerufen wurde. Vielleicht ist der digitale Appell ja wirksamer als der per­sönliche.
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