Faymann greift zu
 

Faymann greift zu

"Faymanns Mannschaft" – so betitelte die „Report“- Redaktion einen Beitrag in der Sendung vom 30. März über die Führungsschwäche Werner Faymanns und seines Teams in der Bundesgeschäftsführung der SPÖ.

"Faymanns Mannschaft" – so betitelte die „Report“-Redaktion einen Beitrag in der Sendung vom 30. März über die Führungsschwäche Werner Faymanns und seines Teams in der Bundesgeschäftsführung der SPÖ. In dem Beitrag bekamen Faymann-Kritiker aus den Bundesländern einigen Raum, danach wies Moderatorin Gabi Waldner mehrmals ausdrücklich darauf hin, dass es der Kanzler – wieder einmal – nicht der Mühe wert gefunden habe, im „Report“-Studio auf ein Interview vorbeizuschauen, und begrüßte Barabara Prammer als Ersatz.

Insgesamt keine Faymann-freundliche Veranstaltung also, und sie sollte nicht ohne Folgen bleiben. Genau eine Woche später staunt die Fachwelt über die letzten noch fehlenden Nominierungen für den neuen ORF-Stiftungsrat (siehe auch Seite 8): Die beiden Vertreter der SPÖ heißen Werner Muhm (Arbeiterkammer) und – anstelle des langjährigen Leiters des SP-Freundeskreises im Stiftungsrat, Karl Krammer – plötzlich Niki Pelinka. Eben jener ist zu diesem Zeitpunkt im Kabinett von Bildungsministerin Schmid angestellt und darf aufgrund einer Politiker-Klausel noch gar nicht in den Stiftungsrat.

Knapp vor Ostern entschieden sich Faymann und seine Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas, den 24-Jährigen – Sohn von "News"-Chefredakteur Peter und Neffe des Politologen Anton Pelinka– in das wichtigste Aufsichtsgremium des ORF zu schicken, "der Standard" spekuliert sogar, dass er den Vorsitz des SPÖ-Freundeskreises dort übernehmen soll. Ein Job in einem staatsnahen Unternehmen (hoch im Kurs stehen zu Redaktionsschluss Verbund oder ÖBB) soll ermöglichen, dass sich Pelinka voll und ganz auf seine neue Aufgabe beim ORF konzentrieren kann.

Die gefährliche Mischung aus Fakten, Indizien, Gerüchten und unprofessioneller Nicht-Kommunikation durch die SPÖ-Führung legt eine höchst unappetitliche Schlussfolgerung nahe: Krammer bekam in der vergangenen Woche die volle Portion Wut und Frust der SP-Führungsriege ab, wobei der eingangs zitierte „Report“-Beitrag nur das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Krammer selbst gilt als Wahlhelfer und Schutzherr von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, der sich, obwohl selbst SP-nahe, im Herbst 2008 einer mehr oder weniger offenen, aber erfolglosen Demontage durch Faymann & Co ausgesetzt sah. Damals verteidigte Krammer Wrabetz – das wird man ihm so schnell nicht verziehen haben.

Krammer gilt seit fast zehn Jahren als ein ussreicher, aber untadeliger Fädenzieher im ORF-Stiftungsrat, dem – so wird ihm unterstellt – im Zweifelsfall der ORF weit mehr am Herzen lag als die Befindlichkeit eines SP-Partei-Managers. Seine plötzliche und unehrenhafte Demontage sorgt für Empörung und Unverständnis in der Fachwelt. Der Tenor (auch zahlreicher erboster Anrufe in der HORIZONT-Redaktion): Die Schamlosigkeit, mit der sich die Faymann-SPÖ wirksamen Zugriff auf den ORF sichern möchte, ist nun nicht mehr zu überbieten. Naja, warten wir’s ab …
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