Es hätte auch ‚Blutbad‘ gereicht
 

Es hätte auch ‚Blutbad‘ gereicht

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Kommentar von Yvonne Widler

Nicht einmal 24 Stunden ist es her, dass vier Menschen bei einem Amoklauf getötet wurden, da erreicht uns eine Mail mit folgendem Betreff: „Nach Annaberg-BLUTBAD: Poli­zistInnen erzählen!“ Blutbad extra noch in großen Lettern, damit man die Nachricht nicht übersieht.

Als wir die Post genauer durchsehen, erkennen wir, dass es sich um Werbung für ein Buch namens „Am Tatort. Polizisten erzählen“ handelt. Absender der Mail: Styria Books. Ist es legitim, solch eine Schreckenstat als Aufhänger zu nehmen? Man muss davon ausgehen, dass einer gesagt hat: Arg, aber das passt ja super zu unserem Buch. Das wissen wir nicht, aber wir wollten es wissen und haben Gerda Schaffelhofer, Leiterin Styriabooks, angerufen und ihr mitgeteilt, dass ein Erfahrungsgeschichtenwerk von Polizisten ja gut und wichtig sei. Ob man mit dem Zeitpunkt der Werbung dafür aber nicht etwas danebengegriffen hätte? Schaffelhofer: „Ganz und gar nicht.“ Gerade jetzt müsse man darauf hinweisen, was Polizisten, die Tag für Tag für unsere Sicherheit und die Einhaltung der Menschenrechte sorgen, erleben, was passieren kann. Gerade jetzt müsse man das Image der Polizei heben. Die Buchwerbung per Aussendung an ­Redaktionen habe rein gar nichts mit ­Marketing zu tun – es gehe vielmehr ­darum, die Aufmerksamkeit auf die Gefahren zu ­lenken, die der Polizistenberuf mit sich bringt. Ob das die Verwandten der getöteten Polizisten auch so sehen?

Keine Frage: Das Ansehen des Polizisten in der Öffentlichkeit zu heben, ist ein lobenswerter Vorsatz. Einzig das Timing und die Form dieses Mailings hinterlassen im Nachbeben der Tragödie in Niederösterreich einen schalen Beigeschmack.
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