Endlosringelspiel
 

Endlosringelspiel

Glosse von Rainer Seebacher

Axel Springer launchte dieser Tage ein viel beachtetes Freemium-Modell für bild.de. Nachdem der Medienkonzern mit Werbeeinnahmen für seine Digital­angebote gutes Geld verdient, versuchen die Manager die Online-Vertriebserlöse zu steigern. Durch das in Deutschland kürzlich beschlossene Leistungsschutzrecht, das digitale Presseerzeugnisse vor der ungefragten Gratisnutzung durch kommerzielle Drittanbieter schützen soll, weht der Wind für Paid-Content in Deutschland offenbar gerade günstig. Das Credo, dass die Branche in den Köpfen der Konsumenten zu verankern sucht: Guter Inhalt kostet gutes Geld – und da muss der ­Leser seinen Beitrag leisten. Im Herbst dieses Jahres könnte dieses Credo schon wieder ganz anders lauten. Dann startet nämlich die Huffington Post (HuffPo) gemeinsam mit der ­Tomorrow-Focus AG (Burda) ihre Deutschland-Ausgabe. Paid Content – Fehlanzeige. Das Geschäftsmodell: Hohe Reichweiten erzielen und Werbung verkaufen. Die Beiträge stammen dabei von Bloggern, die keine Honorare bekommen, sondern auf Traffic für ihre eigenen Web-Auftritte hoffen. Das neue Credo: Wenn der Inhalt nichts kostet, dann gilt es, ihn ­gewinnbringend weiterzuschenken.
Da dreht sich eine Branche wohl selbst im Kreis.
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