Eine Win-win-Situation, jetzt amtlich
 

Eine Win-win-Situation, jetzt amtlich

Editorial von Clemens Coudenhove

Dass die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden aller Art – im Jahr 2009 vom damaligen Finanzminister Josef Pröll umgesetzt – nicht nur für Charity-Organisationen, NGOs und die von ihnen unterstützten Personen ein Segen war, steht wohl außer Frage. Und schuf nicht zuletzt für Herrn und Frau Österreicher und heimische Unternehmen einen zusätzlichen Grund – nicht nur, aber vor allem in der Vorweihnachtszeit – etwas großzügiger an jene zahlreichen Menschen und Organisationen zu denken, die in Not sind beziehungsweise diese Not zu lindern suchen. Und natürlich spielen insbesondere Medienunternehmen für das Spendenaufkommen eine immens wichtige Rolle, denn NGOs bemühen sich naturgemäß nicht nur um finanzielle Mittel, sondern um Aufmerksamkeit. Dass von Printmedien geschaltete Gratisinserate für wohltätige Vereine und NGOs letztlich auch als Spenden gewertet werden müssen, scheint klar.

Umso befremdender muss für manche Medienunternehmen ein Betriebsprüfungsbescheid des Finanzministeriums gewirkt haben, der vor Weihnachten 2011 eintrudelte: „Der XY-Verlag erbrachte sonstige Leistungen für nicht-unternehmerische Zwecke im Sinne des § 3a, Abs. 1a Z2 UStG 1994 an gemeinnützige Körperschaften. Die darauf entfallenen Kosten werden im Rahmen der Betriebsprüfung mit 20 Prozent nachversteuert.“ HORIZONT 50/2011 berichtete ausführlich. Und seit Kurzem ist glücklicherweise auch im Finanzministerium diesbezüglich Vernunft eingekehrt, denn mit dem Zusatz „Wir unterstützen die Spendensammelaktion XY mit dieser Gratiseinschaltung“ fällt das  Thema Eigenverbrauch (siehe Seite 1 dieser Ausgabe) nun flach.

Erfreulich dabei ist die Tatsache, dass ausgerechnet Sissy Mayerhoffer, Leiterin ORF Humanitarian Broadcasting, sich dieses Missstands angenommen hat und gemeinsam mit KPMG eine einfache Lösung erreicht hat. Ist der ORF doch vom Gesetz aus verpflichtet, gemeinnützige Organisationen zu unterstützen und animiert die Bevölkerung Jahr für Jahr im Rahmen der Aktion „Licht ins Dunkel“ höchst professionell, notleidenden Menschen zu helfen.

Auch wenn manch ein Marktbeobachter spotten möge, dass Gratis-Anzeigen in Printmedien ohnehin nur „Füller“ darstellten, wenn aus irgendeinem Grund eine Geschichte nicht erscheinen könne – und dies erst knapp vor Redaktionsschluss klar wird: Medienleute wissen sehr genau, welche Organisationen sie unterstützen wollen, und tun das auch gewissenhaft, ob mit Geld oder Gratis-Schaltungen. Auch wenn bei der Kreation der Sujets oft nicht das Herzblut einfließt, das den Initiatoren eigentlich entsprechen würde: Aufmerksamkeit durch Gratis-Schaltungen pusht Spendenaufkommen. Und ist ein unverzichtbares Vehikel bei diesem Ziel!

P.S.: Auch für mich persönlich waren die mehr als zehn Jahre im Team von HORIZONT und Bestseller eine „Win-“, hoffentlich auch eine „Win-win-Situation“. Mit dem sprichwörtlichen lachenden und weinenden Auge werde ich den Manstein Verlag Mitte April verlassen, um neue berufliche Wege zu gehen. Ich wünsche den zahlreichen HORIZONT-Lesern und vor allem der engagierten Redaktion von HORIZONT alles Gute und viel Erfolg!
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