Ein neues Zeitalter beginnt …
 

Ein neues Zeitalter beginnt …

Kommentar von Walter Braun

2011 besitzt das Potenzial, sich als geschichtsbildend zu entpuppen: der pro-demokratische Aufstand in der arabischen Welt, Absturz des Euro, Tsunami und Atomunglück in Japan (schon vergessen?), soziale Unruhen in diversen Hauptstädten… und das Jahr ist noch nicht einmal zu Ende. Selbst der unaufgeregte Spiegel titelte kürzlich:„Geht die Welt bankrott?“

Ist es angesichts dieser Entwicklung nicht erstaunlich, wie viele Menschen erwarten, dass unser Konsumparadies ungestört weitergehen müsse, als wäre es ein unvermeidlicher Endzustand? Ich weiß nicht, was bei den Analysen und Aufrufen der letzten Wochen frommes Wunschdenken oder schlichte Realitätsverweigerung war; aber klar sollte sein, dass ein System, das auf ewig wachsenden Steuereinnahmen basiert, einmal an sein Ende kommen muss.

Ist das vielleicht jetzt der Fall? Nicht, wenn es nach Meinung der Wochenzeitschrift Die Zeit geht. Herausgeber Josef Joffe schrieb kürzlich: „Übler als alle Schulden ist das Herrschaftsdefizit von Washington bis Berlin.“ Gleich in der Spalte daneben wurden die „Lebenslügen der EU“ gegeißelt. Starker Tabak. Besonders die Behauptung „Die Wahrheit ist: Ganz alleine ginge es uns (Deutschland) viel schlechter.“ Mit dieser sehrf ragwürdigen „Wahrheit“ soll ideologisch der Boden für „Vereinigte Staaten von Europa“ aufbereitet werden. Um als Weltmacht auftreten zu können?

Genau an diesem Anspruch verendet nun die ökonomische Vorherrschaft der USA. Die globalen Ambitionen Amerikas begannen mit dem Eintritt in den 2. Weltkrieg. Ihre Hegemonie geht aber schon wieder zu Ende, gescheitert an den unproduktiven Ausgaben eines extrem hochgerüsteten Militärs plus eines schuldenfinanzierten Überkonsums von Staat und Bürgern. Das britische Empire hatte 225 Jahre gehalten, das amerikanische kommt gerade auf 70.

Angesichts dieser Zeitbeschleunigung wird die chinesische Vormachtstellung wohl nur ein paar Jährchen währen … Die Zeit lamentiert, dass „ein ganzer Kontinent seine Zukunft verspielt“. Wenn man das Gerede vom „Herrschaftsdefizit“ beiseite lässt, bleiben harte Fakten: Überalterung, überbordende Bürokratie, überzogener Sozialstaat, Überschuldung. Einzige Antwort des deutschen Blattes: „mehr Solidarität“.

Vielleicht sollte die Linke es einmal mit „mehr Demokratie“ versuchen: Wie viele Bürger wollen eigentlich eine Zentralregierung in Brüssel (oder eher Berlin)? Will der deutsche Michel auf Jahrzehnte (nicht Jahre!) die schwächeren Wirtschaften Europas durch Transferzahlungen unterstützen? Um den Euro (und den Machtanspruch?) zu retten, wird ein „Euro-Bond“ vorgeschlagen, wodurch für Griechenland & Co. die Zinszahlungen rapide sinken würden. Wer übernähme de facto die Garantie? Deutschland. Wollen das auch die steuerzahlenden Bürger? Der

Druck der Märkte wird Europa zwingen, Farbe zu bekennen: entweder kollektive Haftung für sämtliche Staatsschulden von Dublin bis Athen und von Riga bis Rom. Oder die harte Route: Wer seine Schulden nicht begleichen kann, verlässt den Euro.(Fortsetzung folgt)

Walter Braun
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