#DLD15: Ein Blick in die Zukunft – ähem, gele...
 

#DLD15: Ein Blick in die Zukunft – ähem, gelebte Realität?

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Interview mit Sabine Hoffmann

Sabine Hoffmann war heuer zum ersten Mal auf der DLD in München und kommt mit einer beruhigenden Nachricht zurück: die Kernthemen des DLD stehen zumindest schon auf der Agenda der Manager in Österreich. Disruption von Geschäftsmodellen, die nach wie vor mit der heutigen Aufstellung schwer verdaulichen Dynamiken einer neuen Generation an Medien und Konsumenten, die auch als Mitarbeiter sehr klare  Ansprüche haben. Content und Social Media als der Schlüssel, um die Begeisterung und Loyalität von Zielgruppen für eine punktgenauere Ansprache, idealerweise in Echtzeit, zu nutzen.


Michael Weberberg
er:
 Was war dein persönliches Highlight der Konferenz
Sabine Hoffmann: Hm, da muss ich mich auf mehrere Highlights konzentrieren. Ich war das erste Mal Teilnehmerin am DLD und habe mich sehr gefreut, hier den internationalen Spirit von Konferenzen wie LeWeb oder der Singularity University zu spüren. Österreich sehr  präsent vertreten durch Martin Drexler (Multi Channel Strategist und Prof. an der Graphischen) und Hannes Ametsreiter (Telekom Austria).
Highlight zum Auftakt war für mich persönlich Ben Horowitz (Andreesen Horowitz), der sich zu dem insgesamt sehr präsenten Thema auf der DLD, nämlich dem Unternehmertum und der damit verbundenen Intensität bekannte, verbunden mit einer Vermutung zur nur langsam umgesetzten Digitalen Revolution: große Organisationen tun sich sehr schwer mit Innovation, weil sich Innovationen aus deren Sicht als schlechte Ideen tarnen. Gefolgt von einer hoch kompetenten Axelle Lemaire (Minister for Digital Affairs, France),  die sich in Frankreich um Chancen für Start Ups bemüht, in dem sie gleichzeitig auch ihre Minister Kollegen für das neue Zeitalter fit macht: im Rahmen des sogenannten „Jeudi digital“, in dem Start Ups ihre Business Modelle in Ministerien pitchen. Getoppt von Ed Vaizey (Minster of the Digital Economy), der gemeinsam mit Eric Schmidt in diesem Sommer kurzerhand das Programmieren in UK als Unterrichtsfach eingeführt hat. Ermutigende Rahmenbedingungen für die Digitale Revolution. Heute schon gelebt. Zum viel diskutierten Auftritt von Uber CEO Travis Kalanick möchte ich nur so viel sagen, dass er seine (neue) Story gut performte (mir fehlt die Historie dazu), aber mit seiner Einladung zu Schaffung von 50.000 Arbeitsplätzen in Europa, zumindest in München nicht landete. Insofern ein Highlight, als diese Wogen all die Tage den DLD durch Medien und Blogs begleiteten. Neben braven und erwartet kompetenten Auftritten von Facebook, Instagram, Twitter und Lithium, haben mich die businessfremderen Themen fasziniert: die Disruption der Musikindustrie mit Größen wie Giorgio Moroder und Troy Carter. Garniert mit einem Einblick in die schöne Welt der Modeindustrie mit love brands wie Aquazzuro und Zady, die eine Lobeshymne auf den Impact von Social Media sangen: dank Instagram verstehe man seine Kunden, gestalte auf dieser Basis Mood Boards und wäre nicht dort wo man heute ist, dank der viralen Effekte. Als Rap-Star entpuppte sich Prof. Galloway (L2ThinkTank), der den weiteren Aufstieg von Facebook (Überholen von YouTube) und den Sieg von Macy´s (mit einer integrierten Multichannel Stragie) über amazon (mit Shipment Kosten, doppelt so hoch wie der damit generierte Umsatz) prophezeite.


M. W.: Klingt nach wirklich spannenden Tagen! Was waren deiner Meinung nach die wichtigsten Aussagen der Konferenz?
S. H.: Wir stehen am Beginn einer Revolution und es ist höchste Zeit für uns alle und insbesondere für all jene, die Rahmenbedingungen dafür schaffen können, sich jetzt dafür aufzustellen: PolitikerInnen, TopManagerInnen, UnternehmerInnen, Lehrende, KünstlerInnen… Da geht es um Neue-Medien-Fitness und um Übersetzung und Transformation (oftmals Zerlegung) von Business Modellen, um zu überleben. So drastisch hat es auch EU Kommissar Günther Öttinger formuliert.
Für Unternehmen hat der Wettlauf um Talente begonnen, für die unsere „etablierten“ Organisationsformen und Führungsmodelle nur wenig anziehend sind.
Aber auch um Konsumenten, die klare Erwartungen an Marken haben – Inspiration, 24/7 Kontaktmöglichkeit und Innovation im Kundenerlebnis. Dazu gehören neue Formen der Kundeninteraktion in eigenen Communities und eine gute Story – viel Hoffnung legt die Content Industrie dabei in das Thema Bewegtbild. Alles vor dem Hintergrund der (Echtzeit)Datenanalyse, die eine neue Form von Marken Exzellenz ermöglicht.


M. W.: Wohin geht der Trend nach Meinung der Speaker?
S. H.: Der Trend geht klar weg von unbeweglichen Unternehmen oder Organisationen, hin zu beweglichen Einheiten, die individuelle Interessen sehr zeitnah erfassen und abdecken können. Verbunden mit der massiven Bedrohung von Arbeitsplätzen, auch als Second Machine Age (Andrew McAfee, MIT) bezeichnet.

M. W.: Welche konkreten Erkenntnisse hast du für deine eigene Arbeit beziehungsweise für uns Marketer gewonnen?
S. H.: Der Impact von Internet und Social Media ist manifest: in Medienbudgets und self-made Stars, beispielsweise auf YouTube. Der Neurowissenschafter Beau Lotto hat uns heute erklärt, dass unser Gehirn nur in 2 Modi reagieren kann: auf etwas zubewegen oder uns abwenden. Das tun wir auf Basis unserer Antizipationen, auf die wir keinen Zugriff haben. Ich wünsche mir, dass Österreichs Unternehmen den Weg der Digitalen Revolution bewusst gehen: Die Chance, schneller zu sein, als die anderen, lebt! Schlüssel ist meiner Einschätzung nach, im nächsten Schritt eine großflächige Neue-Medien-Fitness der eigenen Teams und Talente, weil diese im Umgang mit den Neuen Medien heute noch nicht versiert sind, so Joe Schoendorf von Accel Partners. So kann die so notwendige Neuerfindung des eigenen Business Models an allen Stellen im Unternehmen stattfinden.

War jemand von euch auf der DLD15? Welche Eindrücke habt ihr mitgenommen? Ich freue mich auf eure Kommentare.
[Michael Weberberger]

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