Digitaler Wilder Westen
 

Digitaler Wilder Westen

Kommentar von Rainer Seebacher

Nach Kanada, Spanien, Italien, Frankreich und Großbritannien ist also nun Deutschland dran: Am 10. Oktober startet die Huffington Post gemeinsam mit der Burda-Tochter Tomorrow ­Focus die deutsche Version der ­Onlinezeitung. Arianna Huffingtons Geschäftsmodell: Wenige bezahlte Journalisten füllen mit vielen unbezahlten Bloggern ein Onlineportal mit Geschichten.

Dabei nutzt die Huffington Post auch gut und gerne ­Inhalte anderer Zeitungen. Jeff Bezos, Gründer von Amazon und neuer ­Besitzer der ­Washington Post, drückte es ­einmal so aus: Seine Journalisten recherchieren monatelang an einer Geschichte, die die HuffPo dann in 17 Minuten umschreibt und auf das ­eigene Portal platziert. Das ist zwar nicht sehr ­elegant, aber erlaubt und offenbar ­erfolgreich. Nachhaltig ist es freilich nicht, denn die Werbeerlöse, die die Huffington Post erzielt, fehlen dann zwangsläufig jenen, die die guten ­Geschichten finanzieren ­müssen.

Die Huffington Post ist freilich nicht das einzige Unternehmen, das Gewinne schreibt, indem es Kosten an andere Marktteilnehmer outsourct. Es gehört schon fast zum guten Ton für Internetriesen, das Steuernzahlen großzügig den anderen zu überlassen. Das Problem dabei: Es ist legal. Und wenn es sich um eine Publikums­gesellschaft handelt, ist das Mana­gement mehr oder weniger dazu ­verpflichtet, jede Möglichkeit auszuschöpfen, Kosten zu sparen. Sonst würde es den eigenen Aktionären schaden. Schuld daran ist die Politik, die es noch immer nicht schafft, der digitalen Welt einen legistischen ­Rahmen zu geben, der allen ein wirtschaft­liches Überleben sichert. Es wäre aber schön langsam an der Zeit dafür.
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