Digital Addicts im Paradies
 

Digital Addicts im Paradies

Glosse von Gerlinde Giesinger

Während andere Bilder vom Schnee in Österreich posten, sitze ich am Strand von Koh Phangan, nippe an meinem Cocktail und poste: nichts. WLAN, Fehlanzeige.

Leicht verzweifelt begebe ich mich von Lokal zu Lokal, in der Hoffnung, ein Signal zu empfangen, und komme mir dabei nicht mal ein bisschen blöd vor. Digital Detox schön und gut, aber unfreiwillig grenzt das fast schon an Entzug. „So fühlt sich Sucht also an“, denke ich mir, komme mir aber immer noch nicht blöd vor. Meine Reisepartnerin erklärt, dass es sich im Paradies auch ohne Internet gut leben lässt – aber was nützt denn das Paradies, wenn ich es mit niemandem teilen kann? Und all die verlorenen Likes auf meine nicht geposteten Urlaubsfotos, wie furchtbar!

Dass meine Freundin mittlerweile mehrmals mit den Augen gerollt hat, entgeht mir ob meiner #firstworldproblems – und endlich, da ist es, ein WLAN-Signal. „Ich bin drin!“, rufe ich ein bisschen zu begeistert und lese gleich einmal alle Whatsapp-Nachrichten von besorgten Freunden. Und siehe da, plötzlich ist das Paradies auch meiner Freundin egal, die sogleich ihr Smartphone zückt und es mir gleichtut. 20 Minuten lang Stille. „Und was passiert in deiner Facebook-Welt so?“, fragt sie. „Eh nichts“, sage ich. Und dann kommen wir uns doch ein bisschen blöd vor.
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