Die wahren Heroes
 

Die wahren Heroes

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Jenseits des HORIZONT

Sie heißen Alaba, Arnautovic , Lewandowski, Gündogan, Özil oder Ribéry. Die wahren Helden der Gegenwart. Sie verdienen Unmengen, kaum jemand neidet es ihnen. Die meisten bekommen in der Woche mehr als österreichische Manager und Politiker im ganzen Jahr.
Sie begeistern die Massen – mehr als die Popstars. Als Özil vor der EM eine Pilgerfahrt nach Mekka unternahm, im weißen Umhang, wurde sein Foto binnen Sekunden von Millionen geliked und weitertransportiert. Ein Rekord. Und eine Friedensbotschaft.

Als der AfD-Co-Vorsitzende Gauland sich über Boateng negativ äußerte, kam es zu einem Sturm der Entrüstung in Deutschland. Die Volksseele war nicht mehr bei den Populisten, sondern ganz weit weg.
Wegen des Fußballs sind Kriege ausgebrochen (der polnische Autor Kapu´c  i ´n  ski hat legendär darüber geschrieben ), wurden politische Konferenzen abgebrochen, Terminkalender von hochrangigen Politikern umgeschrieben.

Wegen eines Nobelpreisträgers für Literatur – außer in Lateinamerika, wo Autoren ebenfalls Heroes sind – oder Physik und Medizin hätten sich niemals Politiker so entwürdigend angebiedert.
Merkel hat die Gelegenheit, die der Sport ihr bot, perfekt und scheinbar ehrlich  genutzt. Andere Politiker sind abgestürzt und wurden ausgebuht.Zurecht:
Sport-und Fußballfans sind sensibel, wenn jemand ihre Idole missbraucht.

Die Globalisierung ist Schwester des Fußballs. Fußball hat man immer und nahezu überall gespielt. Außer in semientwickelten Ländern wie USA und Kanada, wo man den Puck fetischisierte oder das Ei.
Deshalb fühlt sich Fußball in der globalen Interaktions-und Entertainmentwelt auch so wohl. Rekordquoten bei WM, EM und Champions League, bei den großen Derbys.
Fußball ist klassenlos. Das ist mit ein Grund warum er weltweit gefeiert und gehasst wird. Fußball ist Zwang zum Kollektiv und damit Internalisierung von Regeln, die man natürlich brechen kann, dann aber bestraft wird. Außer man ist ein Göttlicher wie Maradona.

Fußball hat die moderne Medien-und Entertainmentwelt weit stärker beeinflusst als jedes andere Format. Fußball hat sich im Wesentlichen auch nicht angepasst: Das Tor, das manchmal zusammenbricht, der Rasen, der Schiedsrichter, dessen Fehlentscheidungen (oder auch nicht) das dramatischste Narrativ sind, das sich Entertainment vorstellen kann.
Davon lebt Fußball. Von den Fehlentscheidungen. Von der ewigen Narration.
Fußballer sind die Heroes des 21. Jahrhunderts. Sie sind bewusster, wissender, gebildeter geworden als ihre Vorgänger. Fußballstars haben die Codes der Medienwelt rasch gelernt.
Fußball ist wie ein Konzert, sagte Barenboim einmal: Man geht rein, kennt zwar das Stück und die Akteure, weiß aber nie, wie es ausgeht

Dass Fußballstars heute politischen Dialog voranbringen können, ist evident. Man darf von ihnen nicht nicht politisch konkrete Aussagen verlangen. Das wäre falsch. Und nicht glaubwürdig
Aber sie leben vor, wie man Nationales und Völkerverbindendes zusammenfügt: in der Nationalmannschaft und in Vereinen. Beide Male mit Überzeugung – und natürlich auch mit Geld und Ehrgeiz. "Solidarische Leistungsgesellschaft" sagte ein sozialdemokratischer Bundeskanzler einmal. Vielleicht hat er den Fußball gemeint.

[Jenseits des HORIZONT]
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