Die Sitcom wird erwachsen
 

Die Sitcom wird erwachsen

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Glosse von Jakob Steinschaden

Können Sie sich noch an den schusseligen Joey, den stets besorgten Danny und den lässigen Jesse erinnern? Nein? Aber bei der zucker­süßen Michelle Tanner dürfte es doch klingeln, immerhin wurde sie von Ende der 1980er bis Mitte der 1990er von niemand anderem als den berühmt-berüchtigten, heute millionenschweren Olsen-Zwillingen Ashley und Mary-Kate gemimt. Ihre Bühne, auf der sie bereits im Alter von neun Monaten standen und die sie berühmt machte, war natürlich die kitschige Familien-Sitcom „Full House“, der nach ihrem Ende 1995 kaum jemand nachtrauerte.

Umso erstaunlicher, dass nun der Video-Streaming-Dienst Netflix die Serie wiederbeleben will. 2016 soll es unter dem Titel „Fuller House“ 13 Spin-off-Folgen zu sehen geben. Ob die Olsen-Twins einen Gastauftritt hinlegen, wird derzeit noch verhandelt. Zu Netflix jedenfalls, das sein Zukunftsgeschäft vor allem in Eigenproduktionen sieht, will eine Sitcom nicht so recht passen – immerhin kennt man von der US-Firma eher härteren Stoff wie „House Of Cards“, „Lilyhammer oder „Bloodline“.  Doch Netflix wird „Fuller House“, so viel weiß man schon, seinen Stempel aufdrücken: Den sorgsam gebundenen Schnürsenkeln und Happy-Ends des Originals soll jetzt eine Story folgen, die den Alltag der alleinerziehenden D.J. Tanner (bei „Full House“ die pubertierende Tochter) und ihrer zwei Kinder erzählt. Weil irgendwann wird jeder mal erwachsen.
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