Die Medienwelt nach dem 17. Juni
 

Die Medienwelt nach dem 17. Juni

Die Ereignisse des 17. Juni 2010 werden lange Nachwirkungen auf die österreichische Medienszene haben.

Die Ereignisse des 17. Juni 2010 werden lange Nachwirkungen auf die österreichische Medienszene haben. Über die Folgen des Todes von Hans Dichand für "Kronen Zeitung", Mediaprint und die gesamte Zeitungslandschaft überhaupt wird viel diskutiert, aber noch viel mehr blind spekuliert. Die undifferenzierten Huldigungen durch das offizielle Österreich waren ebenso erwartbar wie die teils mehr als pietätlosen Postings oder Wortmeldungen auf Twitter.

Gänzlich unerwartet jedoch war das Vorpreschen der WAZ. Mit ihrer bereits am Tag eins nach Dichands Tod im "Standard" deponierten Absicht, nun die "Krone" zur Gänze übernehmen zu wollen, hat sich die WAZ keinen guten Dienst erwiesen. Möchten die WAZ-Männer wirklich dieses – legen Sie es aus wie sie wollen – Herzstück österreichischen Medien- und Kulturguts kaufen, wären Behutsamkeit und Empathie wohl bessere Wegbegleiter als forsche Ungeduld.

Am 17. Juni wurde außerdem das neue ORF-Gesetz beschlossen. Auch hier wird es dauern, bis die Nachwirkungen in ihrem ganzen Ausmaß spürbar werden. Nicht die Grünen, sondern ausgerechnet die FPÖ war letztlich der Koalition beim Zustandekommender Zwei-Drittel-Mehrheit behilflich. Und jetzt verschiebt sich auch das Machtgefüge innerhalb des ORF-Managements. Denn, das wissen Insider längst: Im ORF geht es immer darum, welche politische Rückendeckung man erstens hat und zweitens dem ORF angedeihen lässt. „Nur darum geht’s“, sagt einer, der es wissen muss. Und daran wird auch der 17. Juni nichts ändern. Leider.
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