Die Liebe zum Algorithmus
 

Die Liebe zum Algorithmus

#

Kommentar von Jakob Steinschaden

Wenn Facebook, Twitter oder Instagram am Algorithmus drehen (siehe Bericht Seite 22), dann wellt regelmäßig große Empörung durchs Netz. Da würde wieder jemand im Silicon Valley die Filterblase aufpumpen und Big Data entscheiden lassen, welche Inhalte wir auf unseren Smartphone-Displays zu sehen bekommen und welche nicht. Nicht mehr der Nutzer stelle sich sein Programm in Form von Follows, Abos und Likes zusammen, sondern undurchsichtige Formeln, die auf weltweit verteilten Servern werken.

Die Diskussion um die Filterblase wird zurecht geführt – Facebook und Co müssen transparenter werden, wie genau Inhalte priorisiert oder weggefiltert werden. Doch viel zu selten werden die Vorteile von Algorithmen gesehen. Nehmen Sie den Musikdienst Spotify als Beispiel: Wöchentlich kann die schwedische Firma seinen zahlenden Nutzern im „Mix der Woche“ neue Songs vorschlagen, die zu seinem Geschmack passen. Das funktioniert überraschend treffsicher, aber eben nur, weil ein Algorithmus die Hörgewohnheiten des Users analysiert. Oder der Fahrtendienst Uber: Per „Surge Pricing“-Algorithmus wird Nachfrage und Angebot gegengerechnet, um den aktuell billigsten Preis für den Fahrgast zu bestimmen. Also: Algorithmen sind nicht zwingend böse, sondern bringen echten Mehrwert, wenn sie gut gemacht sind.
stats