Die Leser-Sackerl-Bindung
 

Die Leser-Sackerl-Bindung

Kommentar von Julia Olach

Eigentlich dachten wir, Halloween sei schon vorbei. Nicht so sehen dürfte das der Kurier mit seiner neuen Kampagne „Redakteure to go“. Zugegeben, das Video ist beim ersten Mal ansehen witzig und regt zum Nachdenken an – verständlich ist die Aussage aber nicht auf Anhieb. Die nächsten Attribute, die einem dazu einfallen, sind „skurril“ und „befremdlich“. Also, graben wir etwas tiefer: Der Ursprung liegt bei dem Relaunch des Kuriers selbst. Die Umsetzung der Kampagne für ­Hörfunk und Online mit einem Video, gestaltet von der Agentur Ehrlich aber Stekl. Die Anfangssituation in dem Spot ist noch ganz harmlos, bis ein seltsames „Sackerl“ mit Kurier-Logos übersät ins Bild kommt. Selbst die Darstellerin im Film hat ein ängstliches Gesicht, als der Kopf der Kolumnistin Gabriele Kuhn aus dem Sack ragt, zu sprechen beginnt und seine Hilfe anbietet. Alles klar: Der Kurier will eine neue Linie einschlagen. Die Redakteure sollen nicht unnahbar sein, sondern in direktem Kontakt zu den Lesern stehen. Dazu können die Leser den „Redakteur to go“ zu einer Sache ihrer Wahl mitnehmen. Im Hörfunkspot wird zum Beispiel Helmut Brandstätter im Drive-in „bestellt“ und eine Frau nimmt die Frau Kuhn „to go“ mit, um Beziehungsratschläge zu bekommen.

Die Kampagne richtet sich an die Online-User und die jüngere Generation und soll eine Botschaft vermitteln: Die Leser haben den neuen ­kurier.at jetzt immer und überall mit dabei – to go also. Ok, der Sinn ist nach einigem Rätseln zu ­verstehen – der Zugang ist jedoch gewöhnungsbedürftig. Redakteure sollen so nah am Leser wie möglich sein – das ist ein gutes Vorhaben. Der ­Kurier muss sich aber die Fragen gefallen lassen: Witzig? Na ja. Lächerlich? Möglicherweise.

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