Die Krux mit den Klarnamen
 

Die Krux mit den Klarnamen

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Kommentar von Jakob Steinschaden

Medien-Österreich diskutiert also wieder die Klarnamendebatte. „Meinungsmutige“ rund um Falstaff-Herausgeber Wolfgang Rosam und profil-Herausgeber Christian Rainer fordern ein Ende der Anonymität im Internet, weil unter ihrem Deckmantel der Kommentarhass blühen würde. Kommt nun die Ausweiskontrolle im Netz?

Technisch ist das möglich: Das Linzer Start-up ­Jumio etwa hat eine Technologie ent­wickelt, die per Webcam Lichtbildausweise scannt. Es ist aber unrealistisch, dass das zur Norm wird. Es ist teuer und braucht zusätzliches Personal und: Hat das Medienunternehmen überhaupt die Kapazitäten und das Know-how, solch sensible Personendaten nach allen Regeln des Datenschutzes zu verarbeiten? Dann gibt es die Gratislösungen von Facebook und Google, die den sogenannten Social Login in Kommentarsysteme mit bei den IT-Riesen hinterlegten Daten (Name, Profilfoto, Freundesliste et cetra) erlauben. Nun tendieren User sicher dazu, bei ­Facebook die echte Identität anzu­geben, doch jeder Internetnutzer weiß: Wenn man nur will, kann man sich auch einen Fake-Account zum Stänkern anlegen. Facebook gibt sogar selbst zu, dass bis zu 7,9 Prozent seiner Accounts (das sind mehr als 100 Millionen!) ­gefälscht sein könnten.

Facebook hilft aber ohnehin nichts gegen Trolle, wie man auf den Facebook-Seiten von Ö3-Moderatorin Elke Lichtenegger oder HC Strache nachlesen konnte. Dort wird auch unter Klarnamen derb geschimpft. Besser wäre es, sich Ingrid Brodnigs Buch „Der unsichtbare Mensch“ (HORIZONT berichtete) durchzulesen. Dort gibt es eine ganze Reihe guter Beispiele, wie erfolgreiche Onlinemedien mit Hasspostern fertigwerden. Auch ohne Klarnamenpflicht.
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