Der Wettlauf um die Anteilnahme
 

Der Wettlauf um die Anteilnahme

Glosse von Lana Gricenko

Beim Absturz des Germanwings-Airbus A320 in Südfrankreich kamen am 24. März 144 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder ums Leben – eine Tragödie, die in der ganzen Welt Wellen geschlagen hat. Nun ist es ja nicht so, dass auf der Welt nicht ständig schreckliche Dinge geschehen würden – aufgrund der geografischen Nähe kochten die Emotionen aber entsprechend hoch.

Die umfassende mediale Berichterstattung begann naturgemäß im World Wide Web. Germanwings und Lufthansa entfärbten ihre Logos in den Social-Media-Profilen umgehend als Zeichen der Trauer auf Schwarz-Weiß. Zahlreiche Onlineportale begannen bereits kurz nach Bekanntwerden des Absturzes mit Live-Tickern, die jede noch so kleine (Nicht-)Information dokumentierten. Es folgte eine Social-Media-Blase voller kollektiver Trauer und Anteilnahme unter dem Hashtag #4U9525, die auch völlig deplatzierte Kommentare zu Tage förderte (etwa twitterte der heimische Rapper Moneyboy zynische Witze, für die er sich später entschuldigte).

Den klassischen Medien, die bekanntlich nicht über eine solche Reaktionsfähigkeit verfügen können, blieb schließlich nur das Wiederkäuen von Informationen, die im Netz schon millionenfach publiziert worden waren. Der ORF widmete dem Drama sogar eine einstündige Sondersendung zur Primetime – mit Experten, die es nicht wagten, eine These zum Unfall in den Raum zu stellen und einem Korrespondenten, der wiederholt „Davon habe ich nichts mitbekommen“ in die Kamera raunte.

Es ist nun mal eine bittere Wahrheit, die so gar nicht zu unserer Aufmerksamkeitsmaschinerie passt: Manchmal ist es einfach besser, zu schweigen, wenn man nichts Neues zu erzählen hat.
stats