Der ORF – Wie wir
 

Der ORF – Wie wir

Kommentar von Philipp Wilhelmer

Es ist verwirrend. Seit mehreren Tagen begegnen uns braven Steuer- und Gebührenzahlern … wir selbst. Auf Sujets, die im Auftrag des von uns mit­finanzierten und viel gesehenen und gehörten ORF von Jung von Matt in einer ziemlich gelungenen Art und Weise gestaltet wurden. (Siehe auch Kampagnenbeschreibung HORIZONT 19, Seite 12). Neben den ORF-Stars, die gleich wie „wir“ auch gerne einmal ausgebeulte Klamotten tragen, über den Hipster von nebenan und den Opa vom Gemeindebau schräg gegenüber sind sie alle vertreten. „ORF. Wie Wir“. steht unter den ziemlich lässig und zeitgemäß fotografierten Sujets. Schöner könnte man eine Imagekampagne eigentlich nicht gestalten, das scheint Konsens zu sein. Je länger allerdings die Sujets gezeigt werden, umso mehr greift ihr Haken: „Wir“ sind gar nicht wie der ORF. „Wir“ können nämlich nicht chronisch mit der Pleite drohen und  das auch noch dem Staat umhängen.  „Wir“ sind auch nicht dafür, dass sich die Politik unsere Jobs aussucht und ständig hinter den Kulissen mitredet. „Wir“ haben auch nicht ohne Weiteres zwei Standbeine, die uns die Regierung mit Brief und Siegel zusichert. „Wir“ sind übrigens auch nicht so mir nichts, dir nichts in der Lage, Gesetze, die uns betreffen, im Hinterzimmer mitzuformulieren (und sie dann, wie in der Causa Facebook, eigentlich anders als ausgemacht zu interpretieren). „Wir“ finden es auch nicht so prickelnd, dass jene Journalisten, die einen guten Teil des gesetzlichen Auftrages  unseres ORF stemmen, nämlich jene vom Informations- und Kultursender Ö1, am schlechtesten von allen auskommen müssen. Und „Wir“ machen uns lieber eigene Gedanken, als denselben Quatsch aus dem Ausland zu kaufen, den schon jeder Urlauber in der Vorsaison sehen konnte.
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