Der Krieg der zwei Weltenwärter
 

Der Krieg der zwei Weltenwärter

Kommentar von Walter Braun

Die Digitalsphäre, die immer umfassender unser Leben umhüllt, ist in zwei Welten gespalten: das Web und die Mobiltelefonie mit ihren Myriaden von Apps. Diese beiden Sphären benutzen zwar gemeinsam das Internetprotokoll, sind aber insofern grundverschieden, als das Web offen, die Handywelt aber geschlossen ist.

Die zwei digita- len Biotope sind von zwei Urviechern dominiert: Apple beherrscht die mobile Welt, Google das Web. Diese zwei Welten sind zwar nicht säuberlich technisch getrennt, aber in der Anwendererfahrung schon: Ans Web über ein Zwergenhandy anzudocken, ist nicht erhebend. Das alles begann sich mit dem Aufstieg der Tablet-Computer zu ändern – nun war das fehlende Verbindungsstück da, das den Mobiltelefonnutzern die weite Welt des Web voll eröffnete, aber nicht umgekehrt die Sphäre der App-Anwendungen den PC-Besitzern. Was postwendend alle Prognostiker wie aus einem Mund erschallen ließ: Die Zukunft des Webs wäre mobil. Leicht dahingesagt, aber folgenschwer in seiner Implikation für die bestehende Digitalweltordnung.

Der Riese des Web 1.0, Google, steht plötzlich auf den Hinterbeinen, da der Zugang zur Mobilwelt über Geräte geregelt ist, das heißt, dass hier Hardware und nicht Software dominiert. Ergo sieht sich der Softwareriese gezwungen, auch eine Hardware-Firma zu werden und selbst mit Handys und Tablet-Computern anzurücken, um nicht von der Mobilwelt ausgesperrt zu werden. Zum Glück für das Unternehmen ist Googles Android (Betriebssystem für Smartphones) die Nummer eins der Welt (treibt zum Beispiel Samsung-Geräte an), was die Türe ins Apple-regierte Reich offen hält.

Apple wiederum war sich nicht zu gut, einzugestehen, dass Google die innovativere Firma ist: Also haben sie Apple Maps ins Leben gerufen, während Google Maps nun nicht länger auf dem iPhone vorinstalliert ist. Das lässt sich als Kriegserklärung interpretieren. Das Web 2.0 war gekennzeichnet durch Interaktivität beziehungsweise den Aufstieg sozialer Netze. Obwohl mit Facebook hier eine neue dominante Macht auftrat, war Googles Erfolg nicht geschmälert, da das chaotische Web ohne Suchmaschine praktisch nicht begehbar ist. Aber beide Unternehmen mussten kürzlich eingestehen, dass sie in der mobilen Sphäre keine Gewinne erzielen – was für Facebook, an das immer häufiger via Handy angedockt wird, potenziell fatal ist.

Apple verdankt seinen märchenhaften Reichtum der Tatsache, dass die leicht versponnene einstige Computerschmiede zu einer Premiummarke (und auf diese Weise zum wertvollsten Unternehmen der Welt) aufgestiegen ist. In der Mobilwelt ist iTunes die begehrteste Applikation, die Apple ein Vermögen einbringt. Die zweitbegehrteste App ist Google Maps (weil Handy-Suchabfragen sehr oft Örtlichkeit betreffen!), allerdings macht Google da- mit kein Geld ..., was einen Analysten zu der Prognose verleitete, das an der Börse mit 200 Milliarden bewertete Unternehmen wäre binnen fünf Jahren dahin. Ich würde nicht darauf wetten, und auch nicht, dass mobiler Werbung alleine die Zukunft gehört ...   

[Walter Braun]
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