Der gebündelte Hass und die Bots und Trollbot...
 

Der gebündelte Hass und die Bots und Trollbots

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Jenseits des HORIZONT

50 Prozent des Datenverkehrs im Netz machen von den Bots geprägte algorithmengesteuerte Informationen aus, zumeist Fakes oder bewußte Unwahrheit. Bots schleichen sich in Facebook und Twitter ein, nicht nur beim dirty Campaigning, wie man es im Falle des Präsidentschaftskandidaten Van der Bellen gezeigt hat.
Bots werden umso heftiger eingesetzt, je stärker print- und massenmediale Reflexe wirken. Wer groß und schlagzeilenhämmernd die Troll-Gerüchte zwar als lächerlich kritisiert, also stets in Verknüpfung mit misslungenen Fotos des Präsidentschaftskandidaten agiert, der trägt massiv dazu bei, Gerüchte und damit einen negativen Rest an Verdacht weiter zu schüren.

Algorithmen für Social News dominieren: Bots schmuggeln sich als Member bei Facebook & Co ein und kommentieren Links, äußern sich zu politischen Themen. Sie finden dabei andere Members, die ähnliche Vorteile tragen. So verdichten sich Sympathie und Antipathie. So machen sich Populisten stark. Wer Facebook als Nachrichtensource Nummer eins verwendet – und das sind Millionen – erhält gefiltert das, was ihm gefällt und seinen Standpunkt bestätigt. Anderes wird nicht mehr wahrgenommen. Meinung und Vorurteil werden gestärkt durch immer dichtere Selektion: Fremdbilder und Vorbilder. Schwarz und weiß.

Längst haben Politiker und Machthaber den Bot als Maschine eingesetzt. Seit der Arabischen Revolution ist sie zum Kommunikationsinstrument Nummer eins der Diktatoren und des Militärs geworden.
IS beherrscht diese Technik beinahe perfekt. Wissenschafter haben anlässlich des Brexit-Wahlkampfs Twitter und Twitter-Bots untersucht: 1,5 Millionen zwischen 5. und 23. Juni. Das überraschende Ergebnis: 32 Prozent der Tweets stammten von nur einem Account, der bei der Brexit-Debatte mitmachte. Die Zahl der Brexit und Remain-Argumente waren in etwa gleich. Bots sind gefährliche Instrumente gegen politische Bildung, Meinungsoffenheit und demokratische Praxis. Messagingsysteme werden zur selbst referenziellen Bestätigung. Im Netz haben Menschen geringere Scheu, sich zu exponieren, antidemokratische Parolen und Beleidigungen zu posten. Mit Fakename oder anonym. Viele erhalten Applaus, im Feedback werden negative Stimmen ausgeblendet. Facebook lebt von Likes und Sockies.

Die Messagingdienste sind nur scheinbar auf die Bedürfnisse der User abgestimmt. Jede Message dient damit lediglich zur Selbstbestätigung und fördert das Ausschnittsdenken und verleiht das Gefühl, man liege ohnehin recht mit seinem Ansinnen. Die Müdigkeitsgesellschaft, wie man sie nennt, begnügt sich mit Rülpsen im Web. Mit Zustimmung oder Ablehnung von Bürgerinitiativen oder für „Ego“-Proteste. Likes und weiterverschickte Kommentare erhärten die konkrete politische Haltung. Extreme gewinnen an Kraft und Macht. Von Le Pen bis AFD, von der griechischen Morgensonne bis zur strammen Finnenpartei. Allesamt sind sie nationalistische Bewegungen. Die raffiniert mit Schablonen agieren. Das Netz ist machtvoll. Dagegen helfen Mündigkeit, mediales Wissen mit Umgang und Hausverstand. Zeitungen und TV-Magazine haben hehre Aufgaben.

[Jenseits des HORIZONT]
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