Denkt eure Medien als Apps!
 

Denkt eure Medien als Apps!

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Kommentar von Jakob Steinschaden

Wenn in der Medienbranche die Paywall und ihr Nicht-Funktionieren in Österreich diskutiert wird, dann werden eigentlich immer wirtschaftliche Gründe ins Treffen geführt: Das Onlineangebot des ORF sei zu stark, die Zahlungsbereitschaft der Internetnutzer zu klein, der Entwicklungsaufwand zu hoch, der Druck der über die Grenzen nach Österreich hineinwirkenden internationalen Netzmedien zu groß. Sehr selten spricht jemand aber aus, dass eine Bezahlschranke für Medieninhalte der Grundidee des Internets zuwiderlaufen. „Paywalls entsprechen nicht dem Internet-Gedanken. Das Netz ist da zum Teilen und zum Informationsaustausch“, sagte mein geschätzter Ex-Kurier-Kollege Benjamin Sterbenz, der heute als Chefredakteur der großen IT-News-Seite golem.de fungiert, vergangene Woche im HORIZONT-Interview.

Bei golem.de wie auch beim gehypten Medien-Start-up krautreporter.de gibt es deswegen keine Paywall, und trotzdem gibt es Menschen, die pro Monat Geld dafür abdrücken. Aber wofür zahlen die dann, wenn nicht für Content? Die Antwort: für Funktionen. Bei golem.de gibt es gegen Monatsgebühr Werbefreiheit, einen besseren Videoplayer,  Downloads zum Offlinekonsum. Wer heute ein Onlinemedium auf die Beine stellen will, der kann daraus lernen. Wer sein Medium nicht als schlichte Seite, sondern als App ansieht, die dem Nutzer zusätzliche wertvolle Funktionen bietet, um den Content besser, schöner, schneller, einfacher zu konsumieren, der kann sich offenbar eine zusätzliche Geldquelle aufmachen. Ein Artikel hinter einer Paywall ist schnell von der Konkurrenz paraphrasiert – eine tolle App mit Mehrwert lässt sich nicht so schnell kopieren.
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