Das unbeachtete Android-Problem
 

Das unbeachtete Android-Problem

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Kommentar von Jakob Steinschaden

In Europa geht derzeit, auch mithilfe der Unterstützung zahlungsstarker Lobbys , die Google-Phobie um. Eine Zerschlagung des Internetkonzerns steht nach dem Entschließungsantrag des EU-Parlaments zur Diskussion, auch wenn da die Meinungen weit auseinandergehen, wie und ob das überhaupt realistisch ist. Die Debatte dreht sich dabei aber zumeist nur um die Google-­Suche, die Kritikern zufolge Google-­eigene Produkte wie den Kartendienst Maps vor seinen Konkurrenten bevorzugen solle. Es ist Aufgabe der neuen EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, diese nunmehr seit vier Jahren andauernde kartellrechtliche Prüfung endlich abzuschließen. Nur am Rande kommt in der Google-Frage das Thema Android auf, das offenbar nur die Geeks auf dem Plan haben. Laut Marktforscher IDC hat Googles mobiles Betriebssystem weltweit einen Marktanteil von 85 Prozent. Es gilt als offen, was bedeutet, dass Smartphone-Hersteller wie Samsung, Huawei oder Sony es verwenden und nach ihren Vorstellungen umgestalten können. Nur: Wie aus geleakten Lizenzvereinbarungen (sogenannte „Mobile Application Distribution Agreements“, kurz MADA) hervorgeht, verlangt Google von den Herstellern, dass 18 Google-Apps vorinstalliert werden müssen. Ein Suchfeld von Google und der Play Store, wo Nutzer Apps laden oder Musik kaufen können, müssen dabei auf dem Startbildschirm aufscheinen.

Und hier könnte es kritisch für Google werden. Microsoft, das bei seinem Betriebssystem Windows den eigenen Browser Internet Explorer al­ternativlos vorinstallierte, musste der EU-Kommission 2009 Zugeständnisse machen und 2013 561 Milionen Euro Strafe wegen Nichteinhaltung zahlen. Ähnlich könnte die EU mit Android verfahren und Google auferlegen, dass auch gleich Konkurrenten (zum Beispiel Bing-Suche, Firefox-Browser) auf den Smartphones vorinstalliert sein müssen.
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