Das Elend der Zeitungsverlage
 

Das Elend der Zeitungsverlage

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Jenseits des HORIZONT

Jetzt weinen sie. Und flehen nach Google News. Die Sites der stolzen Zeitungskonzerne und Magazine werden nicht mehr gesucht. Das heißt werbetechnisch: Reichweitenverlust, noch weniger Cash für Online Advertising, weniger sekundäre Einnahmen durch Googles Suchmaschine. Der Gigant, der Monopolist, hat demonstriert, wie es ist, wenn er sich zurückzieht.
Tageszeitungen, die Leistungsabgeltung fordern, sind plötzlich bereit, ihre Inhalte wieder kostenlos herzugeben. Das nennt man wohl situationselastisch. In diese Notsituation haben sie sich selbst gebracht. Schon Springer hat es versucht. Döpfner: „Zwerg gegen Gigant“. Als Zwerge bezeichnete er, Mister Bild und Welt, sich selbst. Der zwei Meter große Hüne. Dann hat Springer nachgegeben: Google-­Blockade beendet.

Spanien ist gescheitertes Vorbild für die anderen Länder, in denen die Zeitungen damit kokettieren, Google keine „Snippets“ mehr zu liefern. Die Zulieferanten sind vom Abnehmer abhängiger, als sie wahrnehmen wollen.
Es rächt sich, dass die Printverlage – vielfach nur mehr management- und marketinggetrieben – dort gespart haben, wo sie den USP hätten: bei Redaktionen, aufwendigen Recherchen, eigenen Storys. Sie waren es gewohnt, zweistellige Renditen einzufahren, haben sich zu Projektionsflächen der Wirtschaft mutieren lassen und Identität verloren. Jetzt wissen die Manager keinen Ausweg mehr. Das kreative Potenzial haben sie verscheucht.
Viele Tageszeitungen sind nur noch Reproduzenten von Ware aus dritter Hand, austauschbar. Google News braucht sie nicht mehr. Die Jungen bekommen ihre News schon von Facebook und Co, die zu Newsing-Plattformen werden. Was soll „Old Paper“?

Der Monokapitalismus ist erfinderisch. Und kreativ. Kapital ist mobil und die Kunst der Monopolsicherung skrupellos. The winner takes it all. Gesetze sind zu umgehen, solange die Rechtsprechung nicht auf der Höhe der Zeit ist. Und wenn man bestraft wird, zahlt man ein paar Peanuts. Inzwischen hat man Macht und Tools zur Machtsicherung vervielfacht. Gesetze, die das verhindern, sind noch nicht einmal gedacht. Die politische Klasse und deren Spins verstehen das Internet und dessen Anarchismus nicht. Merkel hat recht: „Für uns ist das Internet noch Niemandsland.“

Vielleicht sollten auch die österreichischen Verlage – statt einander Inseratenabrechnungen mit der öffentlichen Hand vorzuhalten und kindisch Medientransparenzgesetze sowie Leistungsabgeltung zu verlangen, über eigene Identitäten und Hausaufgaben nachdenken. Und Mut zur Qualität und Selbstreflexion beweisen.

Wenn zum Schluss als Innovations-Driver das Verlagshaus Österreich und Heute übrig bleiben, die zumindest verstanden haben, was das Internet kann, dann ist es traurig um die ehemaligen Zeitungsmagnaten bestellt.

[Jenseits des HORIZONT]
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