Bitte um eine Lösung
 

Bitte um eine Lösung

Editorial von Philipp Wilhelmer

Quod erat demonstrandum: Wenn die Journalisten auf die Straße gehen, geht doch was weiter in den leidigen KV-Verhandlungen. Bisher haben sich Gewerkschaft und Verleger nicht gerade darin ausgezeichnet, besonders konstruktiv miteinander im Dialog zu treten. Vor dem Sommer gab es einen fast lächerlichen Theaterdonner, als ein Verhandlungstermin binnen weniger Minuten beendet wurde, nachdem die Gewerkschaftsseite neue Forderungen präsentiert hatte.
 
Im Sommer folgte ausgedehntes Nachdenken, ob und wie man weiter verhandeln werde. Man kam zu dem Entschluss, es doch noch einmal zu probieren (no na), ein Termin wurde vereinbart und öffentlich gemacht. Tags darauf die nächste böse Überraschung: Der VÖZ platzte mitten in die Hektik der ­Österreichischen Medientage mit der Nachricht, man werde den Kollektivvertrag vorsorglich kündigen. Was passierte? Nun: das zu Erwartende. Die Gewerkschaft beschloss Kampfmaßnahmen.

Bei all diesen Schritten könnte man Verlegern wie Gewerkschaftern Kalkül unterstellen. In Realität sind beide Seiten bisher aber weder durch taktische Brillanz noch durch Originalität aufgefallen. Die Brüche, Proteste und Tiraden waren allesamt vorhersehbar, ihre Konsequenzen bekannt und in ihrer Summe höchst wirkungslos. Nicht umsonst raufen die zwei Parteien bereits seit über dreieinhalb Jahren um die Materie „Kollektivvertrag neu“ und gingen dabei zum wiederholten Mal in die Verlän­gerung.

Wenn nun im kommenden Jahr tatsächlich ein realistischer und für alle Beteiligten gangbarer ­Abschluss erzielt werden sollte, so hat dies vor allem einen Grund: Die Sache wurde so lange verschleppt, bis die Krise in den Verlagen tatsächlich spürbar wurde. Heuer ist definitiv jenes Jahr, in dem das Wasser mancher Zeitung erstmals bis zum Hals reicht. Den Prognosen wurde recht gegeben, gleichzeitig war der Spielraum noch nie so klein.

Es ist ein reizvoller Gedanke, zu glauben, dass der Journalistenprotest, der so einmalig wie kollegial über die Bühne ging und von Alt wie Jung, Frisch-im-Job wie Arriviert besucht wurde, der Auslöser für das gemeinsame Bekenntnis zu einem Verhandlungsergebnis war. Die Realität ist eine ­andere: Man hat keinen anderen Weg, als zu verhandeln. Jetzt noch weniger als in den vergeudeten Jahren davor.

Die Kerze brennt an beiden Enden: Eine junge Journalistengeneration wird mit schändlichen Honoraren abgespeist, die Verleger können sich gleichzeitig die automatisch steigenden Lohnkosten jener nicht mehr leisten, die Kraft ihrer Privilegien in Gehaltsstufen gerückt sind, von denen heute keiner mehr zu träumen wagen würde. Wir bitten höflichst um eine Lösung.
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