Bauer sucht Heimkehr
 

Bauer sucht Heimkehr

Kommentar von Philipp Wilhelmer

Ludwig Bauer geht also. Schade für die Branche, schade für ATV, wobei mit Martin Gastinger künftig einer am ­Ruder ist, der den Sender als Programmdirektor mindestens ebenso stark ­geprägt hat wie der Chef selbst. Für Kenner der Person kommt der Schritt nicht überraschend, und der Abgang aus persönlichen Gründen ist in diesem Fall wohl keine leere ­Floskel. Was bleibt? Bauer hat die Nachrichtenschiene auf ATV gestärkt und binnen kürzester Zeit einen ­Chef­redakteur ­ernannt, der auch die notwendigen Mittel zur Verfügung ­bekam. Die Folge sind selbstbewusste Reporter und Talkhosts, die ihre Gäste nach den Regeln der Kunst managen. Aus den roten Zahlen brachte Bauer den Sender (noch) nicht, war zuletzt aber auf einem guten Weg. Sein Nachfolger, Martin Gastinger, schuf unter seiner Ägide zahlreiche Erfolgs­formate, die sich auch ins Ausland ­verkauften: „Teenager werden Mütter“ sei hier genannt, ebenso wie „Schwer verliebt“. ATV matchte sich mit dem ORF erfolgreich in Sachen Deutungshoheit in der Society-Berichterstattung. Als Dominic Heinzl seinen Sender Richtung Küniglberg verließ, ließ Bauer keine Spitze gegen den ewigen Weggefährten aus und zauberte nach dessen unausweichlichem Ende im ORF ein neues Society-Format aus dem Hut. Den nahm er nun bedauerlicherweise selbst. Au revoir, Herr Bauer.
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