Ausgerechnet von den Briten lernen?
 

Ausgerechnet von den Briten lernen?

Glosse von Sebastian Loudon

Nein, um Gottes willen, jetzt ist nicht vom News-of-the-World-Skandal die Rede und den Praktiken des englischen Boulevardjournalismus. Vielmehr geht es um die Aufsehen erregende Entscheidung der britischen ASA, der Advertising Standards Authority, bezüglich der in Augen der Werbewächter zu sehr geschönter Kosmetiksujets mit den geglätteten Konterfeis von Julia Roberts und Christy Turlington.

Die ASA mit dem hiesigen Werberat zu vergleichen, ginge in vielerlei Hinsicht zu weit, um das zu erkennen, reicht ein Blick auf die Website www.asa.org.uk und eine kleine Leseprobe: „If they (Advertisers, Anm.) do decide to reach for the airbrush, they have to be careful not to exaggerate the capability or performance of a product.“ Also: Retouching ist erlaubt, aber bitte mit Vorsicht, denn die Fähigkeiten oder die Leistung eines Produktes dürfen nicht übertrieben werden.

Prompt melden sich in Deutschland Werberinnen zu Wort, die diese Entscheidung begrüßen und die eigene Zunft in die Pflicht nehmen, nicht länger an völlig pervertierten Schönheitsidealen mitzuwirken. Das ist eine interessante Entwicklung, und eine offene und selbstkritische Auseinandersetzung einer Branche, die maßgeblich das öffentliche Leben, und damit auch Rollenbilder prägt,k ann nicht schlecht sein. 

Denn ja, die von der Werbung generierten und multiplizierten Bilder färben – selten konstruktiv– auf die Jugend ab. Nun kann man sagen, Werbung ist ein Produkt der Gesellschaft, und als solches sind alle Auswüchse grundlegitimiert. Aber das wäre billig und einwenig zynisch. Also diskutieren wir darüber und tun wir das ganz offen und ungeniert. Aber dann, bitte nicht nur über Kosmetik!

Übertreibt ein Werbeplakat für einen geschönten Cheeseburger, das nichts mit dem lieblos eingewickelten Fettbatzen, der einem letztendlich über die Buddel geschoben wird, nicht mindestens genauso dessen „Capability or Performance“?
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