Ausgerechnet, Liechtenstein?
 

Ausgerechnet, Liechtenstein?

Glosse von Philipp Wilhelmer

Am 7. März fand sich ein elitärer Kreis an einem noch elitäreren Ort in Wien ein. Im Palais Liechtenstein vergab die im Besitz der Fürstenfamilie stehende LGT-Bank dort ihre jährlichen Journalistenpreise für den Nachwuchs im Wirtschaftsbereich. Ganze 6.000 Euro hatte Prinz Philipp von und zu Liechtenstein mitgebracht, die unter drei Preisträgern verteilt wurden. Sehr beachtlich: Wirtschaftsjournalisten, die von einer Bank ausgezeichnet werden, die im Zentrum der größten deutschen Steueraffäre der vergangenen Jahre stand. Und wir diskutieren darüber, ob sich ein ORF-Mitarbeiter bei einem Interview auf einen Kaffee einladen lassen darf? Argumentatives Unterfutter seitens der Bank: „Medien sind ein wichtiger Teil der ­Kultur und prägen das kulturelle Gedächtnis maßgeblich.“

Es ist ja löblich, dass die Bank einen Preis für Jungjournalisten stiftet und dafür auch eine unzweifelhaft ausge­wiesene Expertenjury heranzieht. Aber müssen es unbedingt Wirtschaftsjournalisten sein? Und müssen die das Geld dann auch noch wirklich annehmen?

Unser Wunsch für die nächste Runde: Könnte bitte ein kluger Text über frühere Steueroasen den Hauptpreis machen?

stats