Aus für Netzeitung – eine klare Haltung
 

Aus für Netzeitung – eine klare Haltung

Eine reine Netzzeitung kann sich um ihre Daseinsberechtigung nicht so herumlavieren wie ein Online-Ableger einer Printmarke.

Eine reine Netzzeitung kann sich um ihre Daseinsberechtigung nicht so herumlavieren wie ein Online-Ableger einer Printmarke.

Ausgerechnet eine Internetzeitung muss ins Gras beißen. Eine reine Online-Redaktion, bestehend aus einer eigentlich verachtenswert kleinen Mannschaft von 12 Leuten. Ohne große Erklärungen wird auf der Verlegerseite von DuMont Schauberg die Einstellung bis Jahresende verkündet - aus wirtschaftlichen Gründen. Alle Redaktionsmitglieder werden gekündigt.  

Ja, wir wissen alle, dass Online-Medien sich von den Online-Werbeerlösen noch nicht finanzieren lassen und dass die Printmedien ihrerseits aufgrund ihrer Umsatzeinbußen ihre Einnahmen mittlerweile auch lieber für die Printredaktionen verwenden, als die Online-Ableger noch länger subventionieren zu müssen. Schließlich bringt Print immer noch einen gewaltigen wenn auch geschmälerten Batzen Umsatz ins Haus. Und Online finanziert vielleicht den Hausmeister.  Im Fall Netzeitung hat es  jedenfalls nicht für 12 Mitarbeiter gereicht, wie es aussieht.  

Dabei wird eine solche Entscheidung bei einer reinen Netzeitung sicher schneller getroffen als für den Online-Ableger einer Printmarke. Denn wenn ein Online-Medium sich schon nicht selber finanziert, dann dient es den Printmarken zumindest immer noch als Vertriebsverlängerung der Inhalte ins Web, als Marketingtool für die Printmarke oder als strategischer Flankenschutz. Alles berechtigte Daseinsberechtigungen. Eine reine Netzzeitung hat nur eine Daseinsberechtigung: sie muss sich rechnen. Und zwar allein. Und das kann derzeit kein einziges Online-Medium. Bis auf einzelne Ausnahmen - aber selbst hier ist es fraglich, ob die vermeintliche „singuläre Profitablität“ dieser Vorzeigemedien buchhalterisch auch wirklich astrein sind: werden die Inhalte aus den Printredaktionen, die auf der Website landen- und wenn auch nur in gekürzter Version – auch entsprechend gegenverrechnet? Werden die Online-Leistungen eines Printredakteurs auch auf die Kostenstelle Online verbucht? Und: wie sieht es mit den crossmedialen, gegenseitigen Bewerbungen und Verlinkungen und Hinweisen aus? Fließt hier Geld? Und wenn man es auf die Spitze treiben möchte: wird Lizenzgebühr für die Benutzung der Printmarke bezahlt?  

Eine kostenwahre Bilanz von Online-Medien würde vermutlich die finanzielle Lage dieser Wurmfortsätze noch viel dramatischer aussehen lassen, als sie es ohnehin ist. Nur: noch will niemand Terrain freigeben. Schließlich gibt es immer noch den Hoffnungsschimmer Paid Content.  

DuMont Schauberg hat hier einen klaren Schlusstrich gezogen: Ein Online-Medium ist ein eigenständiges Medium und muss sich selber rechnen. Tut es das nicht, gibt es keinen Grund, es zu halten. Klar, folgerichtig, logisch. Punkt.
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