Aus dem Leben einer Werberätin: Hört endlich ...
 

Aus dem Leben einer Werberätin: Hört endlich auf mit ‚Sex sells‘!

Gastkommentar von Karin Lehmann

Wenn die French-Open-Wettbegeisterung durch frau am halboffenen Hosenlatz von Mann ausgedrückt wird, langt es mir wieder einmal. Bei diesem Job ist man doch permanent mit Anzüglichkeiten befasst. Dabei sind es gar nicht alle Beschwerden, die mich erreichen, es gibt ja rund 180 Mitglieder des Österreichischen Werberates, die sich die Protestfälle aufteilen. French open – offene Hose – haha, da ist man ja genau am Punkt! Worüber rege ich mich auf? Die Werbebotschaft wird ja stringent übersetzt – fragt sich nur, welche? Jedenfalls die: Sex sells, und mehr braucht es nicht. Warum fällt den Werbern nichts Besseres ein? Testosterongesteuerte Hirne von Auftraggebern und Werbern?

Wenn schon kein Empfinden für zeitgemäße Rollenbilder da ist, so sollte die Professionalität der Kommunikatoren so weit reichen, dass der Produktnutzen zur Botschaft der Bewerbung gemacht wird. Halbnackte Menschen als Blickfang für was auch immer fallen auch dem absoluten ­Werbeanfänger ein. Von strategischem Denken hat der noch nie etwas gehört, aber die Profis unserer Branche sollten damit vertraut sein. Also: Hört endlich auf mit dem Unsinn und macht professionelle Kommunikation!

Karin Lehmann (Markenkern) ist Obfraustellvertreterin der Fachgruppe Werbung und Mitglied des Österreichischen Werberates.
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