Aufmerksamkeit ist begrenzt
 

Aufmerksamkeit ist begrenzt

Kommentar von Rainer Seebacher

Die schöne Online-Wunderwelt bekommt immer mehr Kratzer ab. Der Preisverfall wird immer stärker be­jammert. Dieser sei mittlerweile so stark, dass sich eine Refinanzierung von Portalen mit journalistischen Inhalten einfach nicht mehr ausgeht. Wer ist schuld an diesem Verfall? Sind es die Verleger selbst, die Vermarkter, sind es die Großen wie Google und Facebook, ist es der gebührengestützte ORF?

Die einfache Antwort darauf: Es ist immer der andere. Was den Schluss zulässt: Jeder ist verantwortlich. Möglicherweise hat man da die Ansprüche des Werbekunden unterschätzt. Möglicherweise reicht es nicht, nur Kontakte zu verkaufen. Die Portale mit möglichst ­vielen Werbeflächen zuzukleistern, auf denen der User nach dem suchen muss, weswegen er die Site eigentlich angewählt hat. Denn solche Werbeformen generieren nicht Aufmerksamkeit, sondern nur Ärger bei den Usern. Dafür sind immer mehr Werbekunden eben nicht mehr bereit, vernünftige Preise zu zahlen. Sie wollen Umfelder für Botschaften, denen der User wirklich Aufmerksamkeit schenkt. Sie wollen Qualität und Kreativität und sind auch bereit, dafür zu zahlen. Die Großen wie Google und ­Facebook, die ihr Werbegeschäft automatisiert haben, tun sich schwer, dies anzubieten. Denn hier ist menschlicher Grips gefragt und kein Algorithmus.

Das Online-Marktsegment, in dem nur die Frequenz zählt, wird es weiter geben. Auf der Restplatzbörse der Online­werbung wird aber immer mehr transaktionsbezogen abgerechnet. Fürs bloße Herzeigen der Werbebotschaft geht der Preis hier also gegen null. Und das ist auch legitim.
stats