Auf ans Licht, möge es uns blenden!
 

Auf ans Licht, möge es uns blenden!

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Brutto und Volumen sind ein bisschen wie weiland Scylla und Charybdis in der griechischen Antike:

Brutto und Volumen sind ein bisschen wie weiland Scylla und Charybdis in der griechischen Antike: Selbst Odysseus, in der Mitte durchgekommen, schauderte danach vor dem Schrecken der beiden Pole. Dem Medienanalysten Focus ergeht es leider regelmäßig so, wie es Marktforschern in Österreich grundsätzlich geht, wenn ihre Ergebnisse und Analysen veröffentlicht werden: Ist der Bericht in Händen des Auftraggebers, kommt das „Cherry-­Picking“ – naturgemäß wird beleuchtet, was die eigenen Kommunikationsinteressen stützt. Dabei wird gerne vergessen – wir wollen hier nicht gleich von unterschlagen reden –, die Grundlagen der Analyse (also das „Universum“ der Erhebung) klar zu definieren und damit die Ableitungen transparent zu machen. Der Autor dieser Zeilen verwendet beispielsweise notorisch den Begriff „nominell“ vor dem prozentualen Wert in der Beschreibung der Focus-Erhebungen. Was nicht nur meine Lektorin ermüdet, sondern auch hochmögende Leser (und so manchen noch hochmögenderen schreibenden Kollegen) „nervt“. Redundant ist noch der vornehmste Begriff zu solcher Pingeligkeit – erst unlängst beschied mir ein Kollege bei einer kleinen E-Mail-Diskussion rund um Focus-Werte: „… mir fehlt die Zeit, das selbst extra jedes Mal runterzubeten, und in Print ist auch der Platz …“

Also Platz hat er sich genommen, der Wolfgang Fellner: Artig steht bei der – siehe Faksimile – Eigenanzeige groß „Werbevolumen brutto“ (die Österreich-Anzeige ist im in der Focus-Beobachtung erfassten Extradienst erschienen und wird dem Titel als Brutto-Volumen beziehungsweise als Eigenwerbung Österreich zugeordnet – in diesem Fall 10.500 Euro laut Tarifliste).

Ob es der juristische Beistand (oder – hoffnungsvoll – die Einsicht) des Verlegers war: Österreich ergänzt sogar, nicht ganz üblich bisher: „ohne Kleinanzeigen“. Damit ist das „Universum“ doch definiert, oder?

Im Prinzip ja, aber … im kleiner gedruckten Fließtext ist dann heiter von „Anzeigen-Umsatz“ und „Werbe-Etats“ und dann schließlich von Marktanteilen die Rede. Nun ja, wir wissen mittlerweile: „kein Platz“. Österreich macht wie die da aufgelisteten Medien natürlich Konkurrenzbeobachtung und weiß: Volumen per se ist kein Wert, der ergibt sich nur aus der Zusammensetzung – Markenartikler, Dienstleister, Handel & Versand, Investitionsgüter … Neuerdings, seit Österreichs (und Österreich als) Verleger ihre Imperien über Print ausgedehnt haben, ist der Absender auch gesellschaftsrechtlich zu bewerten: Eine Kronehit-Anzeige in der Krone, was ist das? joe24.at in Österreich? Und so weiter …

Kommen wir auf meinen Mail-Partner zurück: Ja, das ist mühsam. Und: Nein, wir haben nichts Besseres. Halten wir deshalb fest: Österreich wickelt wie die gesamte Range der österreichischen Tageszeitungen einen beachtlichen Werbedruck in Form klassischer Anzeigen ab. Wie weit dieser Werbedruck von „den Werbern“ kommt, wäre einen zweiten Blick auf (auch interne) Listen wert.

„Die Werber“ wissen das natürlich – und die Österreich-Leute auch. Wer soll also mit Brutto, Volumen und Wachstum geblendet werden?

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