Apples verdientes Monopol
 

Apples verdientes Monopol

Glosse von Rainer Seebacher

Apple hat die iPad- und iPhone-App der Financial Times (FT) aus dem eigenen App-Store hinauskatapultiert. Der Grund für den Rausschmiss: Die FT hat die erst im Februar dieses Jahres neu eingeführte und aus Sicht der Verlage verschärfte „Hausordnung“ nicht eingehalten. Selbige soll sicherstellen, dass Apple bei Verkäufen innerhalb einer App auch ja nicht um seine Umsatzbeteiligung von 30 Prozent umfällt. Und die neue Ordnung regelt auch, dass ein Verleger die Daten von den Kunden, die ein Abo im App-Store abschließen, nicht automatisch, sondern nur nach deren ausdrücklicher Zustimmung bekommt. Ein Faktum, das jeden Verleger stören muss.

Auf die Print-Welt umgelegt wäre das so, wie wenn ein Verlag nicht einmal die Post-Adresse eines Abonnenten kennen würde. Wie soll man da eine vernünftige Marketing-Beziehung zu seinem Leser aufbauen? Der Rausschmiss zeigt einmal mehr die prekäre Beziehung zwischen den Verlegern, die Tablet-PCs als neue Chance sehen, Paid Content zu etablieren, und Apple. Man braucht einander– die Verleger wahrscheinlich Apple mehr als umgekehrt. Und gleichzeitig kämpft man erbittert um den direkten Kontakt zum Leser und natürlich ums schnöde Geld.

Doch auch viele Verleger sind realistisch, was die Vormachtstellung von Apple am Tablet-PC-Markt betrifft. Ein bis zwei Jahre soll diese Stellung ihrer Einschätzung nach mindestens anhalten. So lange wird man auch an Apples App-Store nicht vorbeikommen. Eine Quasi-Monopolstellung, die sich Apple aber hart erarbeitet hat. Einfach, indem man sich bei jedem neuen Service und bei jedem neuen Produkt die Frage gestellt hat: Was will der Kunde und wie kann ich es ihm so einfach wie möglich machen, das zu erreichen?
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