‚Adieu, Kreativranking‘
 

‚Adieu, Kreativranking‘

Leserbrief Lukas Grossebner, DDB Tribal

Betrifft: Editorial von Sebastian Loudon, HORIZONT 6, Seite 4

Sehr geehrter Herr Loudon,

mit großem Interesse habe ich Ihren Leitartikel im aktuellen Horizont gelesen. Wie so oft stimme ich in einigen Punkten mit Ihnen überein, in anderen wieder nicht, wie zum Beispiel der von Ihnen attestierten gekonnten Selbstironie von D,M&B, gekonnt war da in meinen Augen allerhöchstens der Mut zur Blamage. Aber das tut hier nichts zur Sache. Wichtig ist, dass Sie das Ende des Kreativrankings ausge­rufen haben. Auch hier sehe ich die Dinge, wenn ich mir das erlauben darf, ein wenig ambivalent. Ja, es braucht ­etwas Neues. Wenn ein Ranking erkauft werden kann, und mit Verlaub, Herr Loudon, das kann es, wenn man auf die unzähligen nationalen Preise mancher Agenturen – lustigerweise derer, die bei namhaften internationalen Awardshows, wo die Konkurrenz ungleich größer und ­stärker ist, meist unerwähnt bleiben – schaut, die an Irrelevanz kaum zu überbieten sind und die sich teilweise aus Awards zusammensetzen, wo ein Einreichen mit einem automatischen Gewinn gleichzusetzen ist. Aber ein gänzliches Ende des Kreativrankings fände ich persönlich für die Branche sehr schade. Vielleicht sollte man den Fokus anders legen, vielleicht sollte man relevante, internationale Preise deutlicher über unbedeutende stellen, vielleicht sollte man sich auch ansehen, wie groß der Unterschied zwischen unterirdischem Tagesgeschäft und rein auf Awards ausgelegten ­Arbeiten ist.

Ich bin mir sicher, all diese Über­legungen haben Sie und Ihr Team ­bereits getroffen. Und in erster Linie möchte ich Ihnen zu diesem mutigen, aber auch notwendigen Schritt gratulieren und ihn für uns alle als Chance sehen … nämlich als Chance dafür, dass ein Kreativranking auch wirklich mit Kreativität zu tun hat und nicht ­damit, dass der gewinnt, der bereit ist, das meiste Geld für Einreichungen in die Hand zu nehmen.

In diesem Sinne, ein (in unserer Branche leider zu selten ernst gemeintes) aufrichtiges Danke,

Lukas Grossebner
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