A G’schicht is eben imma a G’schicht
 

A G’schicht is eben imma a G’schicht

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Kommentar von Jakob Steinschaden

Wie so oft, wenn etwas Großes am Entstehen ist, muss man in Europa über den großen Teich schauen. Dort mischen gerade zwei Websites die Medienbranche auf: BuzzFeed und Upworthy (einen ausführlichen Bericht über die beiden News-Seiten lesen Sie auf Seite 10 in der Horizont-Ausgabe 6/2014). Sie konnten sich innerhalb weniger Jahre zu 130 beziehungsweise 90 Millionen Usern pro Monat aufschwingen – und das vor allem mithilfe von Facebook und Twitter, über die sie auf sagenhaft virale Art und Weise ihre Inhalte verbreiten konnten. Zum Vergleich: Die Website der New York Times verzeichnet im Schnitt 30 Millionen User, die Online-Ausgaben des Guardian kamen im Rekordmonat Juni 2013 (Snowden) auf 40 Millionen Besucher.

Nun stehen BuzzFeed und Upworthy schwer in der Kritik – ihnen wird vorgeworfen, solche Reichweiten nur mit Trash und Entertainment und nicht mit Qualität erreichen zu können. Klar, wer sich die Headlines, Texte und Videos ansieht, der wird deutliche Nähe zum Papier-Boulevard à la Bild und Krone entdecken. Neu erfunden haben die beiden Seiten den publikumsträchtigen Journalismus natürlich nicht. ­Reißerische Schlagzeilen, große Emotionen, schnell Konsumierbares, viele Bilder – das kennt man schon. Trotzdem sollte man aus der europäischen Abwehrhaltung heraustreten und aus dem rasanten Aufstieg der beiden Firmen lernen.

„Die Bedeutung von viralen Inhalten und Sharing wird auch für klassische Medienhäuser weiter zunehmen“, sagte die österreichische Journalistin Anita Zielina, ihres Zeichens stellvertretende Chefredakteurin des stern, vergangene Woche im HORIZONT-Interview. Dabei ist die Taktik der Viral-Medien aber nicht, möglichst viel Content in die sozialen Netzwerke hineinzublasen. Nein, sie fokussieren sich auf die – sicher fragwürdige – Aufmachung des Contents und lassen die Nutzer selbst diesen im Internet verbreiten. Das ist doch genau das, was jeder Journalist will: Seine Leser mit seinen Berichten bewegen. A guade G’schicht is eben imma no a guade G’schicht.
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